KI baut „Medizin“ nach

Wiener AKH haucht Klimt neues Leben ein

Wien
13.11.2024 16:27

Eine von KI geschaffene Riesenreproduktion des verschollenen Bildes „Medizin“ prangt ab jetzt auf einer Fassade der Med-Uni am Alsergrund. Gleich in mehrerer Hinsicht rückt Wien damit unrühmliche Ecken der eigenen Vergangenheit zurecht. Ob Klimt damit seine Freude gehabt hätte, ist fraglich.

Wiedergutmachung an der eigenen Geschichte hat Wien nun an der Fassade des neuen Anna-Spiegel-Forschungsgebäudes am MedUni-Wien-Campus des AKH am Alsergrund geleistet: mit der Enthüllung einer monumentalen digitalen Rekonstruktion der „Medizin“ von Gustav Klimt – nicht nur eines seiner genialsten Werke, sondern durch seine Geschichte auch ein Mahnmal.

Abgelehnt, geraubt, verbrannt
Klimt hatte die ursprünglich über vier Meter hohe „Medizin“ gemeinsam mit der „Philosophie“ und der „Jurisprudenz“ um 1900 für die damals neue Uni Wien am Ring gemalt, die sie jedoch schließlich als skandalös ablehnte. Private Sammler sprangen nur allzu gerne ein und kauften Klimt die Bilder ab. Sie wurden jedoch schließlich von den Nazis geraubt und im niederösterreichischen Schloss Immendorf gebunkert, das sie in den letzten Kriegstagen vermutlich selbst sprengten und in Brand setzten.

Die Reproduktion findet sich an der Seitenfassade des neuen Forschungsgebäudes.
Die Reproduktion findet sich an der Seitenfassade des neuen Forschungsgebäudes.(Bild: Medizinische Universität Wien/APA-Fotoservice/Schedl)
Bürgermeister Michael Ludwig mit MedUni-Rektor Markus Müller und Belvedere-Direktorin Stella ...
Bürgermeister Michael Ludwig mit MedUni-Rektor Markus Müller und Belvedere-Direktorin Stella Rollig(Bild: Medizinische Universität Wien/APA-Fotoservice/Schedl)
Der Tod und hochschwangere Frauen hatten nach dem Verständnis der Wiener Uni-Professoren um 1900 ...
Der Tod und hochschwangere Frauen hatten nach dem Verständnis der Wiener Uni-Professoren um 1900 nichts mit Medizin zu tun.(Bild: APA/EVA MANHART)
Das Bild bei der feierlichen Enthüllung
Das Bild bei der feierlichen Enthüllung(Bild: Medizinische Universität Wien/APA-Fotoservice/Schedl)

Die Klimt-Bilder dürften mit unzähligen anderen nach Immendorf gebrachten Kunstwerken ein Raub der Flammen geworden sein, gelten offiziell aber als verschollen. Alles, was von Klimts drei Bildern blieb, waren Schwarzweiß-Fotografien und Vorskizzen – bis zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und entsprechender Hilfestellung des Google-Konzerns. Mit menschlicher Assistenz durch Experten des Belvedere rekonstruierten Computer, wie das Bild ausgesehen haben könnte.

Bürgermeister Michael Ludwig sieht die „Wiedererweckung“ des Bildes als beispielhaft für Wien an – durch die Vereinigung von Tradition und Innovation ebenso wie von Kunst und Wissenschaft. Ob Klimt selbst mit der Rekonstruktion Freude gehabt hätte, ist schwer zu sagen, und dabei geht es nicht nur um die Frage, ob das Bild tatsächlich so aussah: Nach der schnöden Abfuhr durch die Uni nahm er nie wieder Aufträge der öffentlichen Hand an.

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