21.03.2013 13:14 |

Kampf um Afghanistan

Dörfer rebellieren: "Anfang vom Ende der Taliban"?

Im Süden Afghanistans zieht der Mut von Dorfbewohnern, sich gegen die Schreckensherrschaft der Taliban aufzulehnen, weite Kreise. Immer mehr Dörfer im Bezirk Panjwai würden sich dem Kampf anschließen, berichten afghanische und US-amerikanische Beamte. "Sie haben die Nase voll von den Taliban", so der US-Kommandant für den Süden Afghanistans. Der Leiter der afghanischen Abteilung für nationale Sicherheit sieht gar schon "den Anfang vom Ende der Taliban" gekommen.

Es handle sich um den seit Jahren größten Meinungsumschwung gegen die Islamisten, schreibt die "New York Times". Anfang Februar hätten Dorfbewohner in Panjwai angefangen, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, um die Taliban aus der Region mit Weingärten und Obstplantagen südlich von Kandahar zu vertreiben, heißt es.

Mut eines Einzelnen startete Rebellion
Der Aufstand begann demnach durch die Courage eines Mannes: Als der Taliban-Kommandant Mullah Noor Mahmad in einem Dorf zwei Männer abholen wollte, die der Spionage verdächtigt wurden, entschloss sich deren Vater zum Widerstand. Hajji Abdul Wudood, ein ehemaliger Mudschaheddin-Kämpfer gegen die Russen in den 1980er-Jahren, kämpfte mit seinen acht Söhnen gegen die Taliban.

Weitere Dorfbewohner, die bereits Familienangehörige durch die Islamisten verloren hatten, schlossen sich an - ebenso wie die Polizei. Schließlich begleiteten 70 unbewaffnete Zivilisten die Beamten zum Taliban-Stützpunkt, führten sie durch Minenfelder und kundschafteten die Umgebung aus. Nach einem kurzen Feuergefecht wurden drei Taliban getötet und der Rest in die Wüste vertrieben.

Dorfbewohner mit Riesenwut auf Taliban
Nach diesem Erfolg nahmen Hunderte Bewohner Dutzender umliegender Dörfer an Demonstrationen zugunsten der Regierung teil, fast 100 Dorfälteste gelobten bei einer öffentlichen Sitzung am Montag, Maßnahmen gegen die Taliban zu ergreifen, so die "New York Times". Als Grund wird das brutale Vorgehen der Islamisten angegeben: In den letzten Monaten wurden zwischen 300 und 400 Zivilisten durch Bomben und Hinterhalte der Taliban gegen die Regierungs- und US-Truppen getötet oder verwundet.

In den letzten 18 Monaten sei es zwar immer wieder zu vereinzeltem Widerstand gegen die Taliban gekommen, doch die Revolte in Panjwai habe besondere Bedeutung, so die "New York Times". Schließlich sei der Süden Afghanistans das Herzstück der Taliban-Operationen - weder US- noch NATO-Truppen hätten hier bisher viel gegen die Islamisten ausrichten können. Doch dank der Arbeit der Dorfbewohner seien die Taliban derzeit bis auf vier aus allen Dörfern des Bezirks vertrieben worden.

Starke Polizei und Überzeugung: "Genug ist genug"
Zum Mut der Dorfbewohner dürften die neue Stärke der afghanischen Sicherheitskräfte und die besonders aktive Polizei in der Region beigetragen haben. Im Grunde jedoch seien es die einfachen Bürger, die den Islamisten und der von ihnen ausgeübten Unterdrückung den Kampf ansagen, heißt es. "Das war lange überfällig", meinte etwa US-General Robert B. Abrams gegenüber Reportern vergangene Woche. "Kurzum, die Menschen haben gesagt: 'Genug ist genug.' Sie haben die Nase voll von den Taliban."

Dies bekräftigte auch der Leiter des afghanischen Abteilung für nationale Sicherheit, Asdullah Khalid, ein erbitterter Taliban-Feind, in einem Interview: "Sicher ist, dass die Menschen die Taliban leid sind und sie die Taliban nicht wollen." Er fühle, "dass das der Anfang vom Ende der Taliban ist - aber die Frage ist, wie wir das nützen können". Behördenvertreter warnen, dass die Regierung in ihren Bemühungen nun nicht nachlassen dürfe, etwa bei der Stärkung der Polizei.

"Sie können uns nicht alle eliminieren"
Dennoch ist Hajji Abdul Wudood vom Erfolg überzeugt: "Es sind Zehntausende von uns in Zangabad und in Sperwan. Sie können uns nicht alle eliminieren. Wir sind die wahren Besitzer dieses Landes, und die Männer, die uns angreifen, kommen von außerhalb - und wir haben keine Angst. Wir werden unser Land verteidigen."

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