Orakel VdB.Wann würde er sprechen, der Bundespräsident? Am Mittwoch, am Donnerstag oder gar erst am Freitag – das war noch gestern Vormittag ein Geheimnis. Dann die Ankündigung: Alexander Van der Bellen informiert über weitere Schritte nach der Wahl am Mittwoch um 13 Uhr. Würde er da einen Regierungsbildungsauftrag erteilen? Womöglich sogar, wie wir es bisher gewohnt waren, an den Chef der stimmenstärksten Partei – also in diesem Fall an Herbert Kiickl von der FPÖ? Obwohl Van der Bellen, wie wir spätestens seit der Abberufung Kickls als Innenminister der türkis-blauen Regierung 2019 wissen, mit diesem Blauen so gar nicht kann? Oder würde Van der Bellen doch nur einen Sondierungsauftrag erteilen – also die mildere Form der Beauftragung? Fragen über Fragen. Manche hatten Zweifel, ob der bedächtige Bundespräsident diese vielen das Land bewegenden Fragen würde beantworten. Und – keine Überraschung – Orakel VdB tat das auch nur sehr bedingt.
Auftrag für alle. Denn Van der Bellen gibt nicht einem Parteichef einen Regierungsbildungsauftrag, sondern Herbert Kickl, Karl Nehammer und Andreas Babler, den Spitzen von FPÖ, ÖVP und SPÖ, den Auftrag, dass sie bis Ende nächster Woche miteinander reden und sich so möglichst Annäherungen abzeichnen. Das halten viele für ein Abschieben der Verantwortung – unter dem Motto: Rauft euch selbst zusammen, ich schaue euch dabei zu. Auch Erinnerungen an das einstige unmoderierte Präsidentschaftswahlkampf-Duell Van der Bellen gegen Norbert Hofer werden wach, als sich die beiden Kandidaten ohne Begleitung im Studio befanden. Zusammengerauft haben sie sich dabei allerdings nicht. Man wird sehen, ob sich in den nächsten Tagen zwei der drei Kandidaten – oder sogar mehrere Paarungen – wirklich annähern. Man darf daran zweifeln. Eine Entscheidung wird dem Bundespräsidenten nicht erspart bleiben.
Kommen Sie gut durch den Donnerstag!
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