Radpedale sind besser fürs Klima als Gaspedale – darin ist man sich in Oberösterreich einig. Dabei spielt die RadFahr Beratung eine wichtige Rolle: Diese bietet ein kostenloses Beratungsangebot zur Förderung des Alltagsradsverkehrs. Umweltschützer kritisieren das aber als unzureichend, zu langsam und vermissen konkrete Maßnahmen.
Die FahrRad Beratung Oberösterreich ist ein kostenloses Beratungsangebot zur Förderung des Alltagsradverkehrs für Gemeinden und Regionen in Oberösterreich. „Es freut mich, dass bereits 170 Gemeinden und Städte, sowie 20 Regionen diese Beratung in Anspruch genommen haben“, so Infrastruktur-Landesrat Günther Steinkellner (FPÖ).
2,64 Millionen Euro zur Verfügung gestellt
Auch der Radbeauftragte des Landes, Dorian Vavti ist zufrieden: „Dem Radverkehr soll im Mobilitätsmix der Zukunft eine zentrale Rolle zukommen, für mehr Gesundheit, Verkehrssicherheit und Lebensqualität.“ Bisher wurden vom Land Oberösterreich für die Beratung und das Teilprojekt Radmodellregion Wels Umland rund 2,64 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Radsituation bei 73 Prozent verbessert
Die Beratung beginnt mit einem Startworkshop und einem Lokalaugenschein per Fahrrad. Anschließend wird in zwei weiteren Workshops ein Umsetzungsplan mit Maßnahmen in den Gebieten Infrastruktur, Rahmenbedingungen und Bewusstseinsbildung erarbeitet. Einer Umfrage zufolge hätten 95 Prozent der teilnehmenden Gemeinden die Maßnahmen umgesetzt, und bei 73 Prozent habe sich die Radsituation seit der Teilnahme verbessert.
Viel stärkere Steigerungen benötigt
Umweltschützer hingegen betonen, dass diese Entwicklung viel zu langsam sei. Um das Klimaziel, bis 2030 die CO₂-Emissionen um 33 Prozent zu reduzieren, einzuhalten, müssten bis dahin 20 Prozent weniger tägliche MIV-Fahrten (motorisierter Individualverkehr) stattfinden. Die mit Öffis und dem Fahrrad zurückgelegten Wege müssten hingegen um 115 und 125 Prozent zunehmen, sich also mehr als verdoppeln. Dazu müssten auch die Fußwege um ein Fünftel steigen.
Aktuell fast unmöglich
Diese Änderungen seien aber unter den aktuell gegebenen Rahmenbedingungen fast unmöglich, betont Lukas Beurle, Ingenieurkonsulent für Bauwesen und stellvertretender Vorsitzender der Radlobby Oberösterreich.
Verbesserungsvorschläge
Die Initiative für nachhaltige Mobilität und Mirko Javurek von den Scientists for Future fordern daher nicht nur Lippenbekenntnisse der Politik, sondern Bewusstseinskampagnen, eine Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs und eine noch deutlich raschere Förderung des Radverkehrs, anstatt neue Straßen und Autobahnen zu bauen. Auch im Hinblick auf die FahrRad Beratung fordern die Klimaschützer eine schnellere Abdeckung möglichst vieler heimischer Gemeinden, mehr Budget, um Problemstellen zu entfernen und mehr Selbstentscheidung bei den Gemeinden, wie etwa Geschwindigkeitslimits. „So könnte aus dem Beratungs- rasch ein Lösungs- und Umsetzungsinstrument werden!“, so Javurek und Beurle unisono.
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