11.02.2013 11:31 |

Flucht aus Sekte

Nichte des Scientology-Führers packt aus

Jenna Miscavige Hill packt in einem neuen Buch über ihr Leben bei Scientology und ihre Flucht aus. Kinderarbeit und extremer psychischer Druck seien an der Tagesordnung gewesen, so die Aussteigerin. Sie reiht sich damit ein in die Riege kritischer Ex-Mitglieder, doch ihr Beitrag hat besonderes Gewicht. Schließlich handelt es sich bei der 29-Jährigen um die Nichte des Scientology-Führers David Miscavige.

"Beyond Belief: My Secret Life Inside Scientology and My Harrowing Escape" (Unglaublich: Mein geheimes Leben bei Scientology und meine grauenhafte Flucht), so der Titel des Buches von Miscavige Hill. Die Nichte des Sektenführers erzählt darin vom Aufwachsen in der "Sea Organization" (kurz "Sea Org"), der Elitetruppe Scientologys - verantwortlich für die Leitung und Expansion der Sekte.

Kinderarbeit und harte Strafen
"Sea Org" betreibt auch Arbeitslager, in denen die Kinder der Scientologen laut Miscavige Hill im Alter zwischen sechs und zwölf zum Beispiel gezwungen wurden, im Winter aus einem eiskalten Fluss Steine zu holen. "Wir mussten Ketten bilden und gaben die Steine weiter", so die Erinnerungen der heute 29-Jährigen. Auch stundenlanges Unkrautjäten habe in ihrer Kindheit zum Alltag gehört. Wer zu spät kam oder die Uniform nicht sauber gehalten hatte, sei mit literweise Eiswasser übergossen worden.

Stundenlange Befragungen und Einschüchterung
Die Sekte habe den Nachwuchs zudem psychologisch unter Druck gesetzt, behauptet Miscavige Hill. Stundenlang seien die Kinder befragt worden, um angebliche Verräter zu finden, auch die Einschüchterung durch die Scientology-Geheimpolizei "Special Affairs" sei alltäglich gewesen. Weite Teile des Tages seien die Kinder außerdem gezwungen worden, ihre diversen "Sünden" aufzuschreiben und darüber nachzudenken.

Gezielt von Eltern entfremdet
Als ihre Eltern Scientology im Jahr 2000 desillusioniert verließen, war Miscavige Hill 16 Jahre alt. Sie habe sich selbst entschlossen zu bleiben, sagte sie gegenüber CNN, vor allem ihrer Freunde wegen. Von ihrer Familie habe Scientology sie daraufhin gezielt entfremdet, sie habe etwa ihre Mutter nur zweimal in sechs Jahren gesehen. Alle Briefe ihrer Familie seien von der Sekte abgefangen und das Telefonieren sei ihr verboten worden.

Abschottung und Zwangsabtreibungen
Erst als sie von Scientology mit ihrem Ehemann Dallas nach Australien geschickt wurde, habe sie die echte Welt kennengelernt, beschreibt Miscavige Hill. Sie habe erstmals das Internet benützt und erfahren, dass ein Großteil der Öffentlichkeit der Sekte und ihrem Onkel kritisch gegenüberstehe. Zudem habe ihr Kinderwunsch ihr das Leben schwergemacht, schließlich verbiete Scientology Mitgliedern der "Sea Org" Nachwuchs. Viele ihrer Freundinnen seien zu Abtreibungen gezwungen worden.

Kein Kontakt mehr zum "bösen" Onkel
Ihre Eltern hätten ihr und ihrem Mann schließlich 2005 zum Ausstieg aus Scientology verholfen, so Miscavige Hill. Inzwischen haben die beiden zwei Kinder. Gegenüber der "Huffington Post" erklärte sie, sie habe als Kind nie verstanden, was in den Scientologen vorging. Inzwischen aber habe sie erkannt, was Gehirnwäsche anrichten könne. Ihr Buch solle andere Sektenmitglieder dazu ermutigen, Scientology zu verlassen. Zu ihrem Onkel, den sie gegenüber CNN als "bösen Mann" bezeichnete, hat Miscavige Hill seit ihrer Flucht keinen Kontakt mehr.

Scientology behauptet naturgemäß, die Vorwürfe im Buch seien "lachhaft und falsch", man habe "nie Kinder missbraucht, vernachlässigt oder zu manueller Arbeit gezwungen". Die Kinder würden stattdessen in einer "idyllischen Umgebung" aufwachsen, heißt es in einer Erklärung gegenüber der "New York Post".

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