380 Spiele betroffen

Europol deckt den größten Wettbetrug aller Zeiten auf

Sport
04.02.2013 16:18
Dem europäischen Fußball droht der größte Wettskandal in seiner Geschichte. Die europäische Polizeibehörde Europol hat nach eigenen Angaben mehr als 380 verdächtige Spiele in Europa und weitere 300 auf anderen Kontinenten ermittelt, darunter Partien der WM- und der EM-Qualifikation sowie zwei Champions-League-Begegnungen.

Europol-Chef Rob Wainwright sprach am Montag auf einer Pressekonferenz in Den Haag von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau". An den Manipulationen und dem Wettbetrug sollen in den letzten drei bis vier Jahren rund 420 Funktionäre, ehemalige und heutige Spieler sowie Schiedsrichter in 15 Ländern beteiligt gewesen sein.

Acht Millionen Euro für Manipulateure
Insgesamt seien mehr als zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern an Spieler und Offizielle geflossen, europaweit strichen die Manipulateure Wettprofite in Höhe von acht Millionen Euro ein.

"Das ist das erste Mal, dass wir substanzielle Beweise dafür haben, dass die organisierte Kriminalität nun auch in der Welt des Fußballs agiert", meinte Wainwright. Insgesamt werteten die Behörden bei ihren Ermittlungen 13.000 E-Mails aus.

Die drei am stärksten betroffenen Nationen im Wettskandal sind die Türkei mit 79, Deutschland mit 70 und die Schweiz mit 41 verdächtigen Spielen. Zu den genauen Begegnungen machte Europol keine Angaben. Betroffen sind laut BBC aber auch rund 300 Spiele in Afrika, Asien sowie Lateinamerika.

Hinter dem Wettskandal soll Europol zufolge ein asiatisches Verbrechersyndikat stecken, das auch in Europa aktiv sei. Das Problem sei sehr groß, sagte Wainwright. "Das ist erst die Spitze des Eisberges." Der Europol-Direktor erklärte weiter: "Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball."

Europol ermittelte seit Juli 2011
Europol hat seit Juli 2011 unter dem Decknamen VETO ermittelt. Deutsche, finnische, ungarische, österreichische und slowenische Beamte haben mitgearbeitet. Hilfestellung sei von Interpol, der EU-Justizbehörde Eurojust und Ermittlern aus acht weiteren Ländern gekommen.

Bei der Staatsanwaltschaft Graz, die in Österreich die Ermittlungen in Sachen Wettbetrug leitet, hält man sich bedeckt. "Ich kann nur sagen, dass Betrugsverfahren gegen 20 Personen im Zusammenhang mit manipulierten Fußballspielen und den Wetten darauf bzw. wegen des Verdachts der Geldwäsche laufen. Aber nicht nur gegen Spieler", betonte Sprecher Hansjörg Bacher. Gemeinsam mit den deutschen Kollegen habe man eine Ermittlungsgruppe gebildet, deren Erkenntnisse in die Untersuchungen der Europol mit eingeflossen seien. Die höchste Summe, die an einen Österreicher geflossen ist, dürfte sich auf 140.200 Euro belaufen.

Übersicht über manipulierte internationale Spiele:

  • Europa-League-Qualifikation: 14
  • Champions League: 2
  • Champions-League-Qualifikation: 2
  • U21-EM-Qualifikation: 2
  • WM-Qualifikation: 2
  • Europa League: 1
  • EM-Qualifikation: 1
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