Teuerungskrise

Finanzielle Not verbaut immer mehr Jungen Zukunft

Wirtschaft
11.07.2024 16:49

Viele junge Menschen sind in Österreich stark von den Folgen der Teuerung betroffen, wie der Jugendmonitor 2024 der Arbeiterkammer offenbart. Dabei ist die finanzielle Lage entscheidend für die Zukunftschancen der 16- bis 29-Jährigen. Doch was kann man konkret dagegen unternehmen?

Wie sehr die finanzielle Lage die Lebensrealität und Chancen junger Menschen bestimmt, ist gravierend. Dies zeigt auch der diesjährige AK Jugendmonitor, welcher untersucht, wie soziale Ungleichheit den Alltag und die psychische Gesundheit von jungen Menschen prägt. Hierfür hat die Studienautorin Martina Zandonella die 1200 Befragten zwischen 16- und 29-Jahren in drei ökonomische Cluster unterteilt. Jeder Cluster repräsentiert eine Gruppe. Es gibt die oberen 30-, die mittleren 40- und die unteren 30-Prozent.

Unterstes Drittel ist in einer sehr schwierigen Lage
Die oberen 30 Prozent kommen sehr gut mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zurecht. In dieser Gruppe werden zwei Drittel finanziell von den Eltern unterstützt und 64 Prozent verfügen über ein Erbe, welches den Wert eines Hauses übersteigt. Bei dem mittleren Cluster wird etwas mehr als ein Drittel der Befragten finanziell von den Eltern unterstützt. Auch bei dieser Gruppe hat über die Hälfte ein Erbe, welches gleichwertig zu einem Haus steht. Nicht so prickelnd sieht es bei dem unteren Cluster aus. Hier verfügen nur acht Prozent überhaupt über ein Erbe, und nur knapp 15 Prozent erhalten eine finanzielle Unterstützung durch ihre Eltern. 

Hohe Einsparungen notwendig
Sparen müssen alle drei Gruppen, allerdings nicht gleich viel. Die höchsten Sparmaßnahmen mussten alle drei Gruppen in und um die Freizeitplanung setzen. Bei den oberen 30 Prozent waren hiervon jedoch 50 Prozent weniger betroffen als in dem unteren Cluster. Hier mussten vier Fünftel der Personen drastische Sparmaßnahmen setzen. Besonders dramatisch: Rund ein Fünftel der 16- bis 29-Jährigen in Österreich musste sogar ihr Bankkonto überziehen und ist somit in die Schuldenfalle gerutscht. Weitere Einsparungen haben in den letzten 12 Monaten bei vielen auch beim Lebensmitteleinkauf, der Urlaubsplanung und dem Fortgehen gemacht werden müssen.

Große Zukunftsängste
Die jungen Menschen werden von starken Zukunftsängsten geplagt. Ein Punkt, der häufig genannt wurde, ist eben die eigene finanzielle Lage. Die Angst vor Geldproblemen, Schulden und Wohnkosten steht im Zentrum. Doch das ist nicht alles. Auch die Angst davor, in der Ausbildung oder dem Beruf zu scheitern, führt zu der Sorge, keinen sicheren und guten Arbeitsplatz zu bekommen. Außerdem steht die Angst, eigene Ziele nicht erreichen zu können, immer wieder im Fokus. Viele junge Menschen beklagen zudem den herrschenden Leistungsdruck in der Schule, der Ausbildung oder der Arbeit. Eine weitere Sorge dreht sich um die Gesundheit – allen voran die psychische. Dies geht einher mit der Angst vor den globalen Krisenereignissen. Hierbei werden immer wieder die Klimakrise oder auch der Krieg in der Ukraine erwähnt.

Wenig Vertrauen in politische Institutionen
Die jungen Befragten fühlen sich kaum im Parlament repräsentiert, wie der Jugendmonitor sichtbar macht. Nicht einmal die Hälfte sieht sich von einer der Parteien in ihren Interessen und Anliegen ernst genommen. Dies kann auch damit erklärt werden, dass die Umsetzbarkeit der eigenen Pläne und Ziele immer unsicherer wird. Junge Menschen können sich nicht mehr sicher sein, ob es ihnen überhaupt möglich ist, sich durch Arbeit etwas aufzubauen, um so an der Gesellschaft teilhaben zu können. 

Forderungen der Arbeiterkammer
Für die Lösung dieser Missstände hat die Arbeiterkammer einige Ansätze entwickelt. Sie fordern Verbesserungen in der Aus- und Weiterbildung, um Schulabbrüche zu verhindern beziehungsweise zu reduzieren. Außerdem wollen sie ein Mindestlehrlingseinkommen von 1000 Euro durchsetzen und für eine Ausweitung der Berufsorientierung sorgen. Ein weiterer gewünschter Punkt ist das Schaffen von leistbarem Wohnen. So soll es durch Mietpreisdeckel und gefördertem Wohnbau auch jungen Menschen möglich sein, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Und auch die „Teilhabe am Leben“ soll durch Punkte wie Senkung der Lebensmittelpreise, bezahlbare Öffi-Fahrten und eine vollfinanzierte Psychotherapie für Jugendliche ermöglicht werden. 

Marie Andorfer
Marie Andorfer
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