Rot und Weiß. Schon am Wiener Flughafen gestern Mittag am Gate für den Flug nach Leipzig: Nicht nur die allermeisten Passagiere in österreichischen Fußball-Dressen, sondern sogar das AUA-Personal. In der Maschine Richtung Sachsen im deutschen Osten wird laut gesungen: „I Am from Austria“, unsere halboffizielle Hymne. Am Nachmittag vor dem EURO-Achtelfinalspiel unseres Teams gegen die Türkei sieht man in der Innenstadt von Leipzig kaum einen Menschen, der nicht in Rot und Weiß gekleidet ist – wobei das freilich nicht allein an den vielen Österreich-Fans liegt, die sich vor allem am altstädtischen Markt treffen, vor der Nikolaikirche, einem Zentrum der Erhebung der DDR-Bürger von 1989. Sondern vor allem an den vielen türkischen Fans, die hierher gekommen sind, um am Abend ihre Mannschaft anzufeuern. Was die schiere Menge betrifft – da führt die Türkei. Doch nicht nur das…
Zum Weinen. Die Türken sind auch im Stadion in der klaren Mehrheit, sie sind lauter, viel lauter. Und dann haben sie schon in der ersten Minute jeden Grund, in Extase auszubrechen: 1:0 für ihre Mannschaft! Ein schwerer Schock für die österreichischen Spieler, ein schwerer Schock für die österreichischen Fans. Das Leipziger Stadion, in Red-Bull- und somit eigentlich österreichischer Hand, gehört von da an fast allein den Türken. Die Fans stimmen bei so gut wie jedem österreichischen Ballbesitz ein ohrenbetäubendes, unfaires Pfeifkonzert an. Unser Team: vom schnellen Gegentreffer und der Atmosphäre in der ersten Halbzeit spürbar irritiert, paralysiert, fasst so gar nicht Tritt. Die Stimmung der Fans in der Pause: wie Spielverlauf und Witterung – unterkühlt, unfreundlich, unerfreulich. In der zweiten Hälfte nach bemühtem Beginn der Tiefstschlag mit dem türkischen 2:0 in der 60. Minute. Alles aus? Nach Gregoritschs Anschlusstreffer geben auch die österreichischen Fans ein lautes Lebenszeichen. Und endlich spielt unser Team, wie wir es erhofft, wie wir es erwartet haben. Doch es ist zu spät, es bleibt zu wenig. Wir sind draußen! Der Himmel weint. Die österreichischen Fans weinen.
Kommen Sie gut durch den Mittwoch!
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