Meinl-Haus-Verkauf

Wie 28 Millionen zu Benko-Stiftung wandern sollten

Wirtschaft
26.06.2024 17:55

In den Ermittlungen rund um die Signa-Affäre besitzt ein Aspekt besondere Brisanz: der Verkauf des Meinl-Hauses am Wiener Graben 19. Die Immobilie in bester Innenstadtlage war am 14. Dezember 2023, nur 15 Tage vor der Pleite der Signa-Prime, an die Wiener Ärztekammer notverkauft worden. Für den stolzen Preis von 80 Millionen Euro.

Der Deal ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen staunten Marktbeobachter schon damals über den beachtlichen Kaufpreis, da die Liegenschaft intern nur mit etwas mehr als 50 Millionen bewertet war.

Die Ehefrau des Managers als Maklerin
Zum anderen trat, wie berichtet, die Ehefrau des langjährigen Signa-Spitzenmanagers Bernhard Jost als Maklerin auf. Bernhard Jost war seit 2015 nicht nur Prokurist der Signa Prime, er saß auch in der Geschäftsführung der „Graben 19 Immobilien GmbH“, in der die Signa das Meinl-Haus geparkt hatte. Gemeinsam mit Manuel Pirolt, dem langjährigen Signa-Vorstand und zentralen Finanzchef, der als enger Vertrauter von Finanzjongleur Benko gilt. Josts Ehefrau soll für ihre Aktivitäten eine kolportierte Million Euro erhalten haben.

Im Zuge der Benko-Razzien wird der Deal um das Meinl-Haus neu aufgerollt. Denn die Korruptionsermittler sind laut der Hausdurchsuchungsanordnung, die der „Krone“ vorliegt, auf eine bemerkenswerte Transaktion der Signa-Manager Jost und Pirolt gestoßen.

Mittwoch durchsuchten Ermittler das Benko-Anwesen in Innsbruck-Igls.
Mittwoch durchsuchten Ermittler das Benko-Anwesen in Innsbruck-Igls.(Bild: Christof Birbaumer)

Versuchte Verschiebung auf ein Stiftungs-Konto
Das Duo soll laut Verdachtslage am 27. oder 28. Dezember, also ein bis zwei Tage vor Insolvenzanmeldung der Muttergesellschaft Signa Prime, den Versuch unternommen haben, „einen Betrag in Höhe von 28 Millionen Euro von einem Konto der Graben 19 Immobilien GmbH auf ein Konto der INGBE Stiftung bei der Liechtensteinischen Landesbank AG“ überweisen zu lassen.

Die Transaktion zur Stiftung der Benkos wurde jedoch von der Liechtensteinischen Landesbank abgelehnt – „unter Hinweis auf eine mögliche Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen“. Daraufhin sollen die Benko-nahen Signa-Manager die 28 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto der INGBE-Stiftung bei der Erste Bank verschieben haben lassen.

Nun sind Bernhard Jost und Manuel Pirolt ins Visier der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft geraten. Der Verdacht lautet auf Untreue und betrügerische Krida. Die Beschuldigten bestreiten jegliches Fehlverhalten, es gilt die Unschuldsvermutung.

Die WKStA durfte in ihrer Aussendung zu den Signa-Razzien lediglich bestätigen, dass im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Innenstadt-Immobilie vor Kurzem ein Teil des Kaufpreises sichergestellt wurde.

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