Porsche, Waffen ...

Benko: Was hinter den Hausdurchsuchungen steckt

Wirtschaft
26.06.2024 10:55

Sieben Fakten auf 21 Seiten. Die „Krone“ kennt die Details zur Hausdurchsuchungsanordnung gegen René Benko und maßgebliche Signa-Manager.

Ziemlich genau sieben Monate nach der größten Pleite der österreichischen Wirtschaftsgeschichte hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Hausdurchsuchungen gegen René Benko und sein Signa-Umfeld angeordnet. Auf 21 Seiten listen die Korruptionsermittler sieben Fakten auf, die Finanzjongleur Benko und seine jahrelang wichtigsten Manager massiv belasten ...

Es geht um Vermögensverschiebungen und ein im August 2023 in Gang gesetztes Geldkarussell, aber auch um teure Waffen, aufklärungswürdige Abhebungen, mögliche Investorentäuschung und einen Luxussportwagen. Der Verdacht lautet auf schweren Betrug, Untreue und betrügerische Krida. Für René Benko und sämtliche in diesem Zusammenhang genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Im Zuge der Razzien gegen Benko am 25.6. wurde auch der (neuwertig) mehrere Hunderttausend Euro teure Luxus-Porsche sichergestellt. (Bild: „Krone“)
Im Zuge der Razzien gegen Benko am 25.6. wurde auch der (neuwertig) mehrere Hunderttausend Euro teure Luxus-Porsche sichergestellt.

Benkos Pleite
Am 9. März hat das Landesgericht Innsbruck über den Unternehmer Benko ein Konkursverfahren eröffnet. Die Ermittler hegen nun den Verdacht, „Benko habe an noch festzustellenden Orten im Zeitraum Jänner 2023 bis März 2024 einen Bestandteil seines Vermögens beiseite geschafft (…)“. Auffällig sei demnach, „dass trotz eines sehr hohen Einkommens des Beschuldigten in den letzten Jahren und Eingängen im Millionenbereich auf den vom Insolvenzverwalter vorläufig ausgewerteten Konten im Vermögensverzeichnis nur verhältnismäßig geringe Vermögenswerte aufscheinen.“

Darüber hinaus seien in Benkos Waffenregister „teils hochpreisige Waffen ausgewiesen“, die im Vermögensverzeichnis jedoch nicht angegeben seien. So habe der Immobilienspekulant im Jänner 2023 „vom privaten Girokonto“ 69.000 Euro für zwei Waffen bezahlt sowie im Oktober 2023 eine Glock auf sich registrieren lassen. Ebenfalls im Oktober, zu einem Zeitpunkt, als die „Schieflage der Signa-Gruppe schon medial breit bekannt“ war, habe Benko offenbar einen Porsche 911 Speedster, der zuvor auf ihn zugelassen war, für 150.000 Euro an eine Gesellschaft seiner Laura-Stiftung verkauft.

Weiters stach den Ermittlern ins Auge, dass Benkos Ehefrau im Jänner 2023 einen „Zusatzunterhalt“ über zwei Millionen Euro für ein Immobilieninvestment erhalten haben soll. Dazu kommen laut Ermittlern Barbehebungen „im Jahr 2023 über 600.000 Euro“.

Ermittler durchkämmten Dienstagfrüh die Benko-Villa in Innsbruck-Igls. (Bild: Birbaumer Christof/Krone KREATIV)
Ermittler durchkämmten Dienstagfrüh die Benko-Villa in Innsbruck-Igls.

Verschobene Villen
Am 18. August 2023 wird in der Signa-Gruppe ein dubioser Deal umgesetzt: An diesem Tag überträgt die INGBE-Stiftung mit Sitz in Vaduz, die als Bunker der Benkos gilt, ihre wenige Monate später nahezu wertlosen 578.905 Aktien an der Signa Prime für 46 Millionen an die Signa Holding. Im Gegenzug, als Tauschgeschäft, wandern sechs werthaltige Traumvillen am Gardasee in die INGBE-Stiftung. Benko sei laut Verdachtslage „als zentraler Entscheidungsträger und treibende Kraft hinter den Transaktionen“ zu sehen. Im Visier der Behörden stehen hier auch Ex-Signa-Holding-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber sowie Langzeit-Finanzchef Manuel Pirolt.

Große Aufmerksamkeit legen die Korruptionsermittler auf eine Vermögensverschiebung im August 2023. Am 17. August steht der Signa-Gruppe das Wasser bereits bis zum Hals. Liquidität fehlt an allen Ecken und Enden. Benko erhält, wie berichtet, die Absage eines 400-Millionen-Investments aus Korea, woraufhin er seinem Finanzchef schreibt: „FUCK“.

Viele Jahre an Benkos Seite: Christoph Stadlhuber (re.), bis vor wenigen Wochen Geschäftsführer der Signa Holding (Bild: APA/SIGNA/K18,HELMUT FOHRINGER, HANS KLAUS TECHT; linkedin, Krone KREATIV)
Viele Jahre an Benkos Seite: Christoph Stadlhuber (re.), bis vor wenigen Wochen Geschäftsführer der Signa Holding

Das Geldkarussell
Laut der Anordnung der Staatsanwaltschaft sind Enthüllungen von „Krone“ und „News“ rund um ein sogenanntes Geldkarussell ebenfalls zentraler Teil der jüngsten Hausdurchsuchungen. Im Fokus der Kriminalisten und der WKStA stehen dabei unter anderem René Benko sowie Marcus „Unterschriften-August“ Mühlberger, der als Geschäftsführer der Signa Holding als engster Vertrauter des Signa-Gründers gilt. Ihnen wird laut Verdachtslage schwerer Betrug vorgeworfen, weil sie – wie Ende März berichtet – durch eine Geldtransaktion anderen Gesellschaftern der Signa Holding den Eindruck vermittelt haben sollen, die Familie Benko Privatstiftung würde eine 35,35 Millionen Euro Kapitalerhöhung durchführen.

Ausschnitt aus der Anordnung der Hausdurchsuchung (Bild: zVg)
Ausschnitt aus der Anordnung der Hausdurchsuchung

Das Geld soll jedoch auf der einen Seite des Signa-Reichs aufgenommen worden und auf der anderen Seit als angeblich „frisches“ Kapital wieder eingezahlt worden sein. Eine klassische Überweisung im Kreis. Andere Investoren wie der Schweizer Schokoladen-Baron Ernst Tanner und der Schweizer Unternehmer Arthur Eugster überwiesen im Rahmen der Kapitalerhöhung tatsächlich die von ihnen zugesicherten Millionenbeträge.

Bei den weiteren Fakten geht es unter anderem um das Projekt Vienna Twentytwo sowie um eine Kreditverlängerung bei einer österreichischen Privatbank. Besonders schwer wiegt für Benko wohl, dass er in der vorliegenden Hausdurchsuchungsanordnung als „Bestimmungstäter“ bezeichnet wird.

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