So, 22. Juli 2018

Veränderung an DNA

03.12.2012 10:05

Kindheitstrauma kann Spuren im Erbgut hinterlassen

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit können – bei entsprechender genetischer Veranlagung – Spuren im Erbgut hinterlassen. Das konnte jetzt ein Forscherteam nachweisen, das das Erbmaterial von fast 2.000 Afroamerikanern untersucht hat, die als Kinder oder Erwachsene mehrfach schwer traumatisiert wurden.

Ein Team um Elisabeth Binder vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München fand heraus, dass diese Betroffenen sich durch eine spezielle Variante im sogenannten FKBP5-Gen von den nicht erkrankten Trauma-Opfern unterschieden. Bereits bekannt war, dass das FKBP5-Gen in Folge traumatischer Erlebnisse eine veränderte Aktivität zeigt.

Erstmals wurde nun aber die konkrete Sequenz gefunden, die dafür verantwortlich ist, ob ein Trauma dauerhafte Spuren auf dem Gen hinterlässt oder nicht. Denn nur wenn diese bestimmte Genvariante vorliegt, kann es zu stressvermittelten molekularen Veränderungen an der DNA kommen. Dadurch erhöht sich die Aktivität des Gens, und das Stresshormonsystem wird falsch reguliert, wie die Max-Planck-Forscher in Experimenten an Nervenzellen nachweisen konnten.

Veränderung in den Genen ist dauerhaft
Ob diese Schwächung des Stresssystems auch an die Kinder der erkrankten Trauma-Opfer vererbt wird, konnte noch nicht untersucht werden. Die Veränderung ist bei den Betroffenen aber dauerhaft. Die Forscher glauben mit den Erkenntnissen einen Schlüssel zu haben, um Patienten zu helfen. "Die Hoffnung ist, dass solche Prozesse mit Medikamenten zukünftig rückgängig gemacht werden können", sagte Binder.

Die Veränderungen an der DNA werden vor allem durch Traumata im Kindesalter erzeugt, erläuterten die Wissenschaftler weiter. Bei Studienteilnehmern, die ausschließlich als Erwachsene traumatisiert wurden, sei die molekularen Veränderungen nicht nachgewiesen worden, schreiben die Forscher, die ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" vorgestellt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.