Sa, 22. September 2018

4 Preise für "Amour"

02.12.2012 02:06

Filmpreis-Gala: Haneke ist bester Regisseur Europas

Die große Gala des Europäischen Filmpreises 2012 auf Malta ist mit einem Triumph für den österreichischen Regisseur Michael Haneke zu Ende gegangen. Beim 25. Treffen der europäischen Kinoelite in der Gastgeberstadt Valletta konnte er sich mit seinem sechsmal nominierten Werk "Amour" in den Kategorien Bester Film, Regie, Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin durchsetzen. Leer hingegen gingen die zwei weiteren österreichischen Hoffnungen aus: Margarethe Tiesel und Albert Stackl müssen ohne die elegante EFA-Statuette nach Hause fahren.

Mit der Ehrung als bester Film hat Haneke bereits zum dritten Mal für einen seiner Filme die Auszeichnung erhalten - nach "Das weiße Band" 2009 und "Caché" 2005. Er ist damit zum illustren Kreis von Gianni Amelio und Lars von Trier gestoßen, die beide ebenfalls je drei Siege für ihre Werke verbuchen können. Ebenso drei Siege kann Haneke nun in der Sparte als bester Regisseur sein Eigen nennen - womit er in der Geschichte des Europäischen Filmpreises an der Spitze steht. Ebenfalls prämiert wurde "Amour" mit den Auszeichnungen "Bester Darsteller" an Jean-Louis Trintignant und "Beste Schauspielerin" an Emmanuelle Riva.

Damit blieb es für Margarethe Tiesel als Ulrich Seidls Hauptdarstellerin in "Paradies: Liebe" bei der Nominierung. Dafür hatte die in Graz wohnende Schauspielerin im Gegensatz zur erkrankten Riva Gelegenheit für ein Gespräch mit Moderatorin Anke Engelke - der die barbusige Performance der Schauspielerin einige Gelegenheit zu "breasttakend"en Sprachspielen bot. Leer ging gleich zu Beginn des Abends auch der dritte österreichische Nominierte aus: Albert Stackl, der gegen 13 weitere Werke mit seinem 23-minütigen "Im Freien" in der Kategorie "Bester Kurzfilm" angetreten war, musste sich dem rumänischen Beitrag "Superman, Spiderman or Batman" des rumänischen Regisseurs Tudor Giurgiu geschlagen geben.

Helen Mirren für Verdienste um Kino ausgezeichnet
Die Ehrung für zwei große Stars des europäischen Kinos hatte dagegen bereits im Vorfeld festgestanden. Michael Gambon überreichte seiner alten Freundin Helen Mirren ohne große Umschweife den Award für Verdienste um das europäische Kino, den die 67-Jährige mit Tränen in den Augen entgegennahm. Zudem wurde der betagte Regiealtmeister Bernardo Bertolucci, der im Rollstuhl auf die Bühne geschoben wurde, für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Begonnen hatte die Jubiläumsausgabe der Europäischen Filmpreise mit einem Defilee der Stars über den roten Teppich im Mediterranean Conference Centre, einem aus dem 16. Jahrhundert stammenden einstigen Krankenhaus des Johanniterordens an der Westspitze der Halbinsel von Valletta. So fanden sich letztlich gut 1.000 Zuschauer aus der Filmbranche im mit Malteserkreuzen dekorierten Saal ein, wobei sie bereits zum vierten Mal in Folge gewohnt humorvoll von Anke Engelke durch den Abend geführt wurden.

Ihren Auftaktsauftritt erledigte die 46-Jährige auf der ehemaligen Ordensinsel Malta in einer Ritterrüstung. "This will be a Knight to remember", so die Erklärung der Moderatorin. Im Anschluss begleitete sie die Gäste in launigen Verkleidungen und Showideen durch den 25. "The European Film Award" - oder wie ihn die Amerikaner nennen würden: "The What?".

Und schließlich gab es sogar ein wirkliches Happy End bei der Gala. Während seiner Dankesrede für die Auszeichnung mit dem Publikumspreis für die belgische Komödie "Come as you are" machte Produzent Mariano Vanhoof seiner Lebensgefährtin auf offener Bühne einen Heiratsantrag - der angenommen wurde.

ORF und Politik gratulieren Haneke
Die Politik und der ORF haben sich noch am späten Samstagabend hocherfreut über den Erfolg von Haneke gezeigt. "Es ist für mich sehr interessant, dass Österreich nicht nur jetzt stark war, sondern die Erfolge schon eine ganze Weile anhalten", freute sich Kulturministerin Claudia Schmied, die bei der Gala persönlich anwesend war: "Es braucht für Innovation und Kreativität einfach eine kritische Menge, und die hat Österreich mittlerweile. Das ist ein wirklich interessantes Phänomen, vor allem auch in Relation zur Größe des Landes."

Auch der in Malta an Ort und Stelle das Geschehen verfolgende Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny war mit dem Ergebnis der Gala zufrieden: "Mit seinem Drama 'Amour' über ein betagtes Musiker-Ehepaar auf seinem letzten Lebensweg hat Haneke ein filmisches Meisterwerk geschaffen, das mit erzählerischer Raffinesse und visueller Qualität beeindruckt." Er sehe in der Würdigung auch einen Erfolg der Wiener Filmförderung.

Und nicht zuletzt der ORF zeigte sich in einer Aussendung erfreut über die Entscheidung. Generaldirektor Alexander Wrabetz unterstrich: "Einmal mehr zeigt sich: Michael Haneke ist einer der bedeutendsten Filmregisseure unserer Tage - nicht nur in Österreich, sondern international." Auch Fernsehdirektorin Kathrin Zechner gratulierte: "Kino aus Österreich kann auch Kino von Weltrang sein, das zeigen viele Auszeichnungen, die österreichische Filme in den vergangenen Jahren bekommen haben."

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