Der von der Millionenerbin Marlene Engelhorn eingesetzte „Gute Rat für Rückverteilung“ ist nach langen Beratungen zu einem Ergebnis gekommen, wie das Vermögen verteilt werden soll: Mit den rund 25 Millionen Euro werden 77 Organisationen bedacht.
Das Geld geht an Initiativen, die sich mit den Themen Klima und Umwelt, leistbares Wohnen, Gesundheit und Soziales sowie Integration und Bildung beschäftigen, erklärte das Gremium bei einer Pressekonferenz am Dienstag.
Geld soll langfristig wirken
Über die öffentlichkeitswirksame Verteilung des Vermögens Engelhorns entschied einzig und allein das Gremium, ein Rat aus 50 Bürgerinnen und Bürgern, wobei Diversität eine wichtige Rolle spielte. Dieser soll „ein Abbild der österreichischen Gesellschaft darstellen“, wie Projektleiterin Alexandra Wang betonte.
Bei der Verteilung seien Fragen im Mittelpunkt gestanden wie jene nach der Seriosität der Organisationen und wie man das Geld so einsetzen könne, dass es langfristig wirkt. Man habe in gewisser Weise eine „Marktrecherche“ gemacht und dann nach bestem Wissen und Gewissen entschieden, hieß es am Dienstag. Die exakt 24,9 Millionen Euro sollen nicht auf einen Schlag verteilt werden, sondern über mehrere Jahre hinweg, betonte Wang. Damit wolle man eine gewisse Planbarkeit für die unterstützten Initiativen sicherstellen.
Gegensatz zum ursprünglichen Anliegen?
Widerspricht die bloße Verteilung nicht dem Anliegen der 32-jährigen Millionärin, die vehement für Erbschafts- und Vermögenssteuern eintritt? Das bestritt Projektleiterin Wang bei der Pressekonferenz. Weil es eben keine solchen Steuern gebe, habe Engelhorn den Rat initiiert und ihre Macht den 50 Bürgern gegeben. „Sie hat sich diesen Prozess gewünscht. Für sie ist die Rückverteilung ihres Geldes die Lösung eines Problems, das sie als Individuum nicht lösen sollen müsste. Sondern die Politik. Aber die Politik ist nicht mit ihrem Anliegen d’accord“, so Wang. Der Rat räumte aber auch ein, dass er bei seiner Entscheidung unter Zeitdruck gestanden sei.
Engelhorn selbst sprach bei der Pressekonferenz nicht. Sie wollte sich bewusst heraushalten und dem Rat „nicht die Show stehlen“, wie es bei der Pressekonferenz hieß. Die Millionenerbin selbst plant, ins Erwerbsleben einzusteigen. In einem schriftlichen Pressestatement meinte Engelhorn wenig später zum Ergebnis: „Ein Großteil meines geerbten Vermögens, das mich durch meine Geburt in eine Machtposition gehoben hat, die jedem demokratischen Grundsatz widerspricht, wurde nun im Einklang mit demokratischen Werten rückverteilt.“
1,6 Millionen für „Naturfreikauf“
Den mit rund 1,6 Millionen größten Batzen bekommt der österreichische Naturschutzbund. Mit dem Geld soll dessen Initiative zum „Naturfreikauf“ unterstützt werden. Naturnahe Flächen wie Auwälder und Moore sollen gekauft und damit gesichert werden. „Die brauchen viel Geld, ganz einfach“, erklärte Ratsmitglied Angelika Taferner den hohen Betrag.
Von A wie „Autonome Österreichische Frauenhäuser“ bis Z wie „Zack&Poing – Verein zur Förderung der Artistik, Bewegungskunst und Kultur“ – an diese Organisationen wird das Geld von Marlene Engelhorn verteilt.
Auf Platz zwei folgt die Wiener Obdachloseneinrichtung neunerhaus mit 1,59 Millionen. Auf der Liste befinden sich große und renommierte Hilfsorganisationen wie die Caritas, die Diakonie und die Volkshilfe, Frauenhäuser und Straßenzeitungen, Reporter ohne Grenzen, Feuerwehren, das Momentum Institut und die IG Demokratie. Aber auch kleine, eher unbekannte Initiativen und Theaterprojekte werden unterstützt. Die ganze Liste ist auf der Website http://guterrat.info abrufbar.
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