Ein Auto stundenweise ausborgen und mit vielen anderen teilen: Das Konzept Carsharing boomt in der Steiermark. Die Teuerungen haben den Bedarf noch einmal vergrößert – aber es gibt auch noch Vorbehalte.
Ein schneller Trip ins Möbelhaus am Stadtrand, ein Ausflug in die Südsteiermark, ein Großeinkauf mit schweren Wasserflaschen: Immer mehr Menschen vor allem in Graz fahren mit Autos, die ihnen nicht gehören. Tim heißt der größte steirische Anbieter, der zur Holding Graz gehört und mittlerweile seit 2016 existiert. Heute zählt man 6600 Kunden, 30 Standorte in Graz und 13 in der Region – und man wächst weiter. „Es geht kontinuierlich weiter, etwa ein bis zwei Standorte pro Jahr kommen dazu“, sagt Katharina Mayer, die für Tim zuständig ist.
Tim wird nun nicht mehr bloß in Graz, sondern auch in der Region gut angenommen. „In der Stadt ersetzen wir ein Fahrzeug ganz. Am Land ist es das Zweitauto, das wir ersetzen.“ Die meisten Kunden seien – anders, als man vielleicht denkt – gar nicht so jung, sondern eher im mittleren Alter. Viele besitzen ein Klimaticket, womit auch die Grundgebühr für das Service entfällt.
Aus Sicherheitsgründen wollen manche für lange Strecken einen Verbrenner, in der Stadt eignen sich E-Autos aber perfekt.
Katharina Mayer, bei der Holding Graz für Tim zuständig
Laut einer Analyse des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) ist Carsharing in der gesamten Steiermark „weiter verbreitet als angenommen“. In 40 Städten oder Gemeinden gibt es Angebote – mitgezählt sind auch die ÖBB Rail-and-Drive-Autos. Davon profitieren die Gesundheit und die Umwelt, meint der VCÖ-Experte Michael Schwendinger: „Die gefahrenen Kilometer werden um ein Viertel reduziert, es wird mehr zu Fuß gegangen und mit den Öffis gefahren.“
Für viele überwiegen nach wie vor die Nachteile
Keine Fixkosten, keine Arbeit mit Reifenwechsel und Co. sprechen für Carsharing. Anderes spricht dagegen, sagt Katharina Mayer: „Vor allem Frauen haben Angst, kein Fahrzeug verfügbar zu haben, wenn sie es spontan brauchen.“ Für Ältere sei ein Auto noch ein Statussymbol, von dem sie sich schwer lösen können.
„Die Krisen und Teuerungen haben aber dazu geführt, dass wir ein starkes Wachstum haben. Ein neues Auto kostet viel Geld – und auch bei den laufenden Kosten gibt es viel Sparpotenzial.“ Möglichkeiten für den Ausbau sieht Mayer vor allem in der Obersteiermark noch. „Auch in kleinen Gemeinden kann Carsharing funktionieren.“
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