Österreichs Landwirtschaft steht vor einer grünen Revolution: Brennstoffzellen-Traktoren könnten schon bald die herkömmlichen Dieselmodelle ersetzen. Sie sind leichter als E-Traktoren und zerstören so nicht die wertvollen Acker. Die TU Wien zeigt bei ihrem Forschungsprojekt große Fortschritte.
Aber wie funktioniert so ein Brennstoffzellen-Traktor überhaupt? In einer Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft zu Wasser – dabei entsteht elektrische Energie. Mit diesem Strom wird der Traktor über einen Elektromotor angetrieben. „Das Besondere dabei ist, dass als Abgas lediglich Wasserdampf entweicht, was den Einsatz in geschlossenen Räumen wie Ställen ermöglicht“, erklärt Christian Junger. Er ist im Entwicklerteam des sogenannten FCTRAC am Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien.
Wasserstoff wichtig für Energiewende
Noch gibt es einen Haken: Die Wasserstoff-Infrastruktur in Österreich ist jedoch noch ausbaufähig. Obwohl aktuell nur wenige öffentliche Tankstellen existieren, werden bereits Anstrengungen unternommen, diese weiterzuentwickeln. Wasserstoff spielt eine zentrale Rolle in Österreichs Energiewende, unter anderem wegen seiner Fähigkeit, Energie langfristig zu speichern.
Ein weiterer Vorteil des Wasserstoffs: Er könnte in Zukunft eine kostengünstigere Alternative zu fossilen Brennstoffen sein. „Aktuelle Preise liegen bei etwa 23,99 € pro Kilogramm Wasserstoff, mit dem man ungefähr 100 Kilometer zurücklegen kann. Durch geplante Skalierungen in der Produktion ist zu erwarten, dass die Kosten in den kommenden Jahren sinken werden“, so Rudolf Krizan. Der Ingenieur forscht ebenfalls am Brennstoffzellentraktor.
Bauern können durch Biomasse Treibstoff herstellen
Das Projekt zeigt zudem, wie Bauern durch Biomasse Wasserstoff herstellen können. Die Forschung befindet sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase: „Die Wasserstoffherstellungsanlage und die damit verbundene Tankstelle sind bereits errichtet, und der Probebetrieb läuft“, fügen die Experten hinzu.
Ein Traktor mit Batterieantrieb würde deutlich schwerer werden und den Bodendruck erhöhen – etwas, das Landwirte unbedingt vermeiden möchten.
Rudolf Krizan ist im Entwicklerteam des sogenannten FCTRAC am Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien
Technische Herausforderungen gab es dennoch, insbesondere bei der Integration der neuen Technik in einen Standardtraktor. „Die größte Challenge war es, alle Komponenten platzsparend unterzubringen, da der Fahrer die Vorderräder immer im Blick haben muss, um keine Pflanzen zu beschädigen“, erklärt Junger im „Krone“-Gespräch.
Vorteile eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs: „Ein Traktor mit Batterieantrieb würde deutlich schwerer werden und den Bodendruck erhöhen – etwas, das Landwirte unbedingt vermeiden möchten“, so Krizan.
Fortschrittliche Projekte im Bereich Automobiltechnik
Das Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien forscht derzeit ausgiebig zu alternativen Antrieben. Unter anderem wurde eine Wasserglykol-Kühlung für E-Motoren entwickelt. Dadurch wird die Betriebstemperatur reguliert und eine optimale Leistungsfähigkeit gewährleistet. Auch unsere Politiker glauben an diese Entwicklungen, denn sie werden vom Klima- und Energiefonds gefördert.
Zahlreiche Projekte so wie der fortschrittliche Traktor wird auch bei der Langen Nacht der Forschung am 24. Mai von 17 bis 23 Uhr im Test- und Entwicklungszentrum in der Franz-Grill-Straße 8 im 3. Bezirk zu sehen sein. An diesem Abend gibt das Team der TU Wien Einblicke in ihre Arbeit.
Hier alle Informationen zum Event.
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