Lehrlinge aus verschiedenen Schönheitsberufen der Landesberufsschule 2 in Graz ermöglichen in Kooperation mit dem Verein „Soziale Projekte Steiermark“ und dem Odilien Institut blinden und stark sehbeeinträchtigten Menschen einen kostenlosen Wohlfühltag im Zeichen der Inklusion.
Besuche beim Friseur sind gekennzeichnet durch viele Kontrollblicke in den Spiegel und die Frage, ob der neue Haarschnitt oder die neue Farbe gefällt. Für blinde und stark sehbeeinträchtigte Menschen fällt diese Möglichkeit jedoch weg. Sie müssen den Beauty-Experten ihr volles Vertrauen schenken.
Vertrauen als Grundvoraussetzung für den Friseurbesuch
Die 17-jährige sehbehinderte Katharina Hauer war deshalb viele Jahre lang gar nicht beim Frisör: „Als Kind hatte ich zu viel Angst, um zum Frisör zu gehen, deshalb hat mir immer mein Papa die Haare geschnitten“, erzählt sie. Doch für das Projekt Beauty Youngsters hat sie sich nun einen Ruck gegeben – und wurde belohnt: „Ich finde es genial, dass es so ein Projekt gibt und ich dabei sein kann.“
Absolutes Neuland war diese Situation auch für die Berufsschüler der Schönheitsberufe in Graz. Sie durften im Zuge des Projekts „Beauty Youngsters“ am 15. April in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein „Soziale Projekte Steiermark“ blinden und sehbehinderten Menschen den Tag mit einem Friseurbesuch, einer Massage oder einer Fußpflege verschönern.
Durch das Projekt der Beauty Youngsters sollen Berührungsängste abgebaut werden. Sehen geht auch mit dem Herzen, mit Worten und Berührungen.
Doris Kampus, Landesrätin für Inklusion
Ziel des Projekts ist es, Menschen am Rand der Gesellschaft mehr Würde und Respekt zu verleihen. Auch die Bewohnerinnen vom Frauenhaus in Graz wurden bereits mit Behandlungen verwöhnt. Laut Vereinsobmann Herbert Winterleitner liegt für die Fachkräfte im Bereich der Schönheitsberufe die große Herausforderung darin, zu versuchen, sich in die Rolle der blinden Kunden zu versetzen und ohne Feedback herauszufinden, ob sie sich wohlfühlen. Wichtig ist zudem viel Feingefühl und eine gute Kommunikation. Das Motto des Vereins lautet: Inklusion statt Isolation.
„Eine Friseurin hat mal zu mir gesagt, wenn man vom Friseur nachhause kommt, sollte man nicht nur zufrieden, sondern glücklich sein. Das ist auch unser Ziel für all unsere Gäste, die sich von unseren Schülern verwöhnen lassen“, meint Brigitte Reinprecht, Direktorin der LBS 2, voller Stolz über das Projekt ihrer Schüler.
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