07.08.2012 14:37 |

Rührige Rückblende

"Familientreffen mit Hindernissen": Reise in die 70er

Familie an sich ist ja etwas Schönes - en gros gesprochen. Nicht anders ist dies bei Albertine, die sich während einer Zugfahrt an einen Tag mit ihrer Großfamilie in der Bretagne erinnert. In "Familientreffen mit Hindernissen" (Kinostart: 10. August), der neuesten Regiearbeit von Julie Delpy wird die damalige Geburtstagsfeier der Großmutter in all ihrer stimmigen Profanität und ihrer rührenden Banalität in einer Rückblende geschildert.

Im Jahr 1979 kommt eine französische Großfamilie zum Geburtstag von Oma Amadine (Bernadette Lafont) zusammen, darunter die kleine Albertine (Lou Avarez) samt Mutter Anna (gespielt von Julie Delpy selbst) und Vater Jean (Eric Elmosnino) sowie Oma Prevost (herzergreifend gespielt von Leinwandlegende Emmanuelle Riva) - und zahlreiche weitere Onkel und Tanten und Cousinen und Schwager und sowieso und überhaupt.

Da man sich Ende der 70er befindet, tragen alle entsprechende Frisuren und ebensolche Kleidungsstücke, fahren zu fünft in Enten und diskutieren über die aktuellsten Filme, also "Die Blechtrommel" und "Apocalypse Now".

Ansonsten sind die Geschlechterrollen noch klar verteilt in der Welt der ländlichen Zusammenkunft: Die Männer saufen und spielen Fußball, die Frauen kochen, auch wenn Mutter Anna da schon emanzipiertere Vorstellungen hat. Im Großen und Ganzen brechen nur bei politischen Diskussionen kurzzeitig Gräben in der Großfamilie auf.

Ansonsten tun alle das, was man von ihnen auf der Leinwand erwartet: Die Kinder pubertieren, die erwachsenen Geschwister streiten und vertragen sich, Oma möchte Harmonie und die kleine Albertine bekommt ihre erste Periode. Dass in den Nachrichten der möglicherweise nahe Einschlag des Satelliten "Skylab" - der auch für den Originaltitel "Le Skylab" verantwortlich ist - erwartet wird, bleibt eine belanglose Petitesse.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film:
Julie Delpys charmante Regiearbeit weckt Erinnerungen an die eigene Kindheit und erste Verliebtheit, wobei der ironische Ton der kindlichen Perspektive, aus der dieses Familientreffen erzählt wird, zwischen Scham, zarter Sehnsucht und frecher Neugier oszilliert. Witzig und nostalgisch zugleich - wie ein leicht vergilbter Super-8-Film aus fernen Ferientage.

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