Zwei lange Jazznächte hielten in den vergangenen Tagen die Grazer Szene in Atem. Am Donnerstag regierte brasilianisches Temperament im tube´s; am Freitag zeigten die Grazer Veranstalter, wie breit der diese musikalische Gattung in der steirischen Landeshauptstadt aufgestellt ist.
Tür auf! Auf die Bühne. Ein Solo spielen. Hinunter zum Ausgang. Und weiter: In die Nacht hinein. Wie auf Flügeln gleitet die Kamera im Kurzfilm „One Night only” durch die Grazer Jazzszene. Der im Rechbauerkino präsentierte 18-Minüter von Norbert Prettenthaler mit Musik von Ursula Reicher zeigt filmisch komprimiert, was an diesem Abend in der ganzen Stadt passiert.
Zwei lange Jazznächte
Eine Nacht lang haben alle Grazer Jazzveranstalter bei der grazjazznacht ihre Tore für einen Konzertmarathon geöffnet. Auf sechs Bühnen sind Jazz-Klassiker (Royal Garden Jazz Club), Urgesteine (Berndt Luef im Wist) und junge Wilde (Kunstuni, Reiterkaserne) zugleich zu hören.
Los geht es streng genommen schon tags zuvor, bei der zweiten Brazilian Jazz Night im tube‘s. Mit sechs Mitstreitern bringt Multiinstrumentalist Emiliano Sampaio ganze 28 Uraufführungen auf die Club-Bühne. Durchzogen von Tradition, ist der gebotene Klang dabei erstaunlich modern. Da schraubt sich etwa ein Samba von Saxofonist Joander Cruz aus der schmeichelnden Südlichkeit der Bläser in einen digital flirrenden Klangraum: Brazil goes Synthesizer!
Anarchistisch und energetisch
Ganz anders, nämlich anarchistisch und extravagant, klingt die freitägliche Jazznacht am Jakominiplatz im Stockwerk. Posaunist Sebi Tramontana und sein krankheitsbedingt zum Trio geschrumpftes Quartett Frush laden zur Avantgarde-Impro. Schnatternd, plappernd und schnarrend vollführen die Musiker klingende Seiltänze an Klavier, Schlagzeug und Zubehör. Humorige Comic-Effekte treffen auf ergreifend zarte Fiebergesänge.
Geradezu verdächtig konsonant beginnt wiederum das open music Konzert im Forum Stadtpark. Doch entpuppt sich der unverbindliche Lounge-Music Sound des GVT Trios bald schon als Hochenergie-Exzess. Da sättigt sich der stete Groove von Drummer Aaron Thier zu vibrierender Solo-Wucht. Und der verspielte Bass von Robin Gadermaier strömt unter dem elektrischen Keyboardhimmel Georg Vogels zu einem Sturzbach über.
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