09.07.2012 12:12 |

Lacht aus der "Times"

FPÖ-Stadtrat als Vertreter Europas im Nahen Osten

"Großer Fortschritt bei den Verhandlungen zwischen jüdischen Siedlern und Palästinensern" - das ist der Tenor einer Agenturmeldung vom Wochenende. Sie liest sich auf den ersten Blick, als käme sie von einem der internationalen Nachrichtenkorrespondenten - doch weit gefehlt. Es ist die Pressestelle der Wiener FPÖ, die hier die westliche Welt über die Zustände im Nahen Osten aufklärt. Stadtrat David Lasar fungierte dort nämlich als Vertreter Europas.

"Scheich Farid al-Jabari von Hebron (Westjordanland, Anm.) hat vergangene Woche Initiativgespräche mit Vertretern der jüdischen Siedler mit Palästinensern und europäischen Parlamentariern in Hebron abgehalten. Erstmals wurden vor Ort Gespräche über die Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens zwischen jüdischen Siedlern, Arabern und Palästinensern abgehalten", so die Meldung der Stadt-FP.

Lasar und Dewinter, Strache verhindert
Einige Protagonisten des Treffens nach Angaben der Freiheitlichen: "Knessetabgeordneter Rabbiner Zeev, der Bürgermeister von Kirian, Aba Maladi Levineer, der Gouverneur von Samaria, Gershon Mesika und Likudvertreter." Teilgenommen habe auch der "Commander von Hebron, Avi Biton".

Als "Vertreter der europäischen Politik", so die FPÖ, seien der belgische Abgeordnete Filip Dewinter (Vorsitzender der Rechtspartei "Vlaams Belang", Anm.) und der Wiener FPÖ-Stadtrat David Lasar anwesend gewesen. Bundesparteichef Heinz-Christian Strache war demnach verhindert. Schließlich war in Österreich Parlamentswoche, und es galt, Beschlüsse zu ESM und Fiskalpakt zu verhindern - bekanntlich vergeblich.

Scheich über "notwendigen Frieden"
Scheich al-Jabari habe bei dem freundschaftlichen Zusammentreffen jedenfalls betont, "wie notwendig das friedliche Zusammenleben der Juden und Palästinenser sei", freut sich Lasar. Auch sei "bemerkenswert" gewesen, dass al-Jabari "mehrmals betonte, dass ein Zusammenleben der beiden Volksgruppen in einem gemeinsamen Staat, getragen von gegenseitigem Respekt und Achtung, bei gleichen Pflichten und gleichen Rechten für ihn vorstellbar" sei.

Der Wiener Stadtrat nimmt daraufhin die Medien stark in die Pflicht. Während die "Jerusalem Post" und die "New York Times" ausführlich über dieses "bislang einzigartige Treffen" berichtet hätten, habe man in den europäischen Medien dazu nichts gehört, ärgert sich Lasar. Im "Times"-Bericht lacht der "self-described right-winger David Lazar of Austria" übrigens vom Titelbild - siehe auch Screenshot oben. Der Parlamentarier Kent Ekeroth von den "Schweden Demokraten" komplettierte laut der US-Zeitung das europäische Trio im Zelt des Scheichs.

Außenministerium: "Bitte kein Kommentar"
Die "Fortsetzung dieser Initiative" sei laut Lasar geplant. Es wäre zudem "wünschenswert, wenn die österreichische Außenpolitik hier einen offensiven Part übernehmen würde". Schließlich habe man "in der gesamten Region einen guten Ruf".

Apropos: Das Außenministerium wirkte über den offensichtlich nicht abgesprochenen Nahost-Trip Lasars etwas perplex: "Bitte kein Kommentar", hieß es einige Stunden nach der krone.at-Anfrage.

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