Thema Spielsucht

„Ich hab oft Angst vor dem eigenen Kind“

Oberösterreich
11.02.2024 10:00

Es ist den Trend, der alarmierend ist: Unsere Jugendlichen werden immer früher spielsüchtig, das Handy und der Computer werden wichtiger, als alles andere im Leben. Die Folgen sind mitunter dramatisch und sorgen für massive Probleme in den Familien und auch in den Schulen.

Ein 14-Jähriger, der mit Stühlen wirft, weil seine Eltern das WLAN abdrehen. Eine Mutter, die sich vor ihrem Sohn fürchtet, weil er nach Abnahme seines Handys völlig durchdreht oder eine Tochter, die droht sich umzubringen, wenn sie nicht sofort wieder ins Internet darf.

Süchtige werden immer jünger
Der Grat zwischen sinnvollem Gebrauch und gefährlichem Nutzungsverhalten ist schmal, immer mehr Kinder und Jugendliche gleiten in die Sucht ab. „Wir merken seit zehn Jahren eine deutliche Zunahme“, weiß Kurosch Yazdi-Zorn, Leiter der Ambulanz für Spielsucht am Neuromed Campus Linz. Was noch auffällt: Die Betroffenen werden immer jünger.

Problematisches Konsumverhalten
„Vor zehn Jahren haben wir hauptsächlich Studenten behandelt, die stundenlang „World of Warcraft“ gespielt haben, heute kommen schon Elfjährige zu uns.“ Eine steirische Studie unter 3000 Schülern ab der siebten Schulstufe ergab, dass 30 Prozent ein problematisches Konsumverhalten haben. So nutzten 59 Prozent das Smartphone auch nach Mitternacht, obwohl am nächsten Morgen ein Schultag ansteht.

Schmaler Grat zwischen Hobby und Sucht
Wann wird aus Freizeitspaß Sucht? „Wenn Kinder und Jugendliche ihre Pflichten vernachlässigen, die Noten abfallen. Wenn sie keine anderen Hobbys mehr haben, sich von Freunden abwenden oder wenn die Reaktionen bei einem Verbot weit über die Norm hinausschießen“, erklärt Yazdi-Zorn. „Manche Eltern haben dann regelrecht Angst vor ihren Kindern.“

Betroffene kommen aus allen sozialen Schichten, laut internationalen Studien sind es Burschen und Mädchen zu gleichen Teilen. „Zu uns werden fast nur Burschen gebracht“, erzählt der Psychiater. Denn Mädchen hätten ein „Talent“, Probleme sozial heimlich auszuleben.

Lange Wartezeiten
Die Wartezeiten für ein Erstgespräch in der Suchtambulanz sind mit zwei bis drei Wochen nicht lange, doch gerade Junge sind nur schwer zur Therapie zu bewegen. „Jeder Drogen- oder Alkoholsüchtige möchte aufhören. Die Online-Süchtigen spüren diesen Leidensdruck oft nicht und sagen ‘Die Mama hat ein Problem, aber mir geht es eh gut‘.“

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