Trübe Aussichten. Was für innenpolitische Aufgeregtheiten allein in dieser Woche! Und das acht Monate vor dem planmäßigen Nationalratswahltermin. Halten wir Österreicher das noch so lange aus? Müssten wir nicht froh sein, wenn dieses quälende Theater abgekürzt wird, uns so wenigstens im kommenden Sommer erspart bleibt? Ja, viele würden in den Mai vorgezogene Wahlen als Erleichterung empfinden. Denn was droht uns ansonsten bis Ende September? Ein übles Schauspiel etwa in den sogenannten Untersuchungsausschüssen im Parlament, wo die Parteien einander in wahren Orgien anschütten. Wo es nur darum geht, jede Partei, jeden Politiker zu beschädigen. Ohne Bedacht darauf, dass jeder Giftspritzer auch den Spritzenden selbst bekleckert. Ganz nach dem Wilhelm Busch und Bertolt Brecht zugeschriebenen Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“. Tatsächlich gelingt es den heimischen Politikern, in einem noch vor wenigen Jahren unvorstellbaren Bosheits-Limbo alle Anstands-Mindeststandards zu unterschreiten. Keine Latte liegt dafür zu tief. Keine Respektlosigkeit, keine Beleidigung wird ausgelassen - und das in einem Wahljahr, das die Politik vermutlich in Mehrfachkoalitionen zwingt. Wo dann jene, die einander zuvor bis aufs Blut bekämpft haben, zusammenarbeiten müssen. Trübe Aussichten.
Neue Gesichter. Ob sie es besser machen? Zwei junge, zwei (teils) neue Gesichter rückten in den vergangenen Tagen in den (politischen) Fokus: Dominik Wlazny alias Marco Pogo, kündigte Mitte der Woche die Kandidatur seiner Bierpartei zur Nationalratswahl an. Der mittlerweile 37-Jährige (der Musiker ist genau vier Monate jünger als Sebastian Kurz) hatte bei den Bundespräsidentenwahlen 2022 mit einem weitgehend politikbefreiten Wohlfühlwahlkampf Platz 3 erreicht. Am Samstag folgte nun die Ankündigung, dass - wie zuletzt schon erwartet - die Umweltaktivistin Lena Schilling (23) als Spitzenkandidatin für die Grünen in den EU-Wahlkampf zieht. Schilling, die bisher keiner Partei angehörte, und seit einiger Zeit Kolumnen für die „Krone“ schreibt, hatte früher kommuniziert, nicht Politikerin werden zu wollen. Kann das ein guter Zugang zu einer neuen Art von Politik sein? Hoffentlich.
Kommen Sie gut durch den Sonntag!
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