Kritik an Gemeinde

„Wilde Vergangenheit“ bringt Mann um Wohnungsplatz

Niederösterreich
07.12.2023 16:02

Ein gesundheitlich schwer angeschlagener 40-Jähriger hofft auf ein barrierefreies Zimmer in einem Sozialzentrum. Doch dort ist man aufgrund einer acht Jahre zurückliegenden Vorgeschichte äußerst skeptisch.

Die letzten Wochen waren äußerst turbulent für Sascha Fraissl. Zunächst musste der 40-Jährige aus Brunn am Gebirge im Bezirk Mödling aus seiner Wohnung ausziehen, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte, nachdem ein Freund aus der gemeinsamen WG ausgezogen war. Seitdem ist der Mann auf der Suche nach einer leistbaren und vor allem barrierefreien Wohnung. Denn der Gesundheitszustand des Brunners hat sich zuletzt massiv verschlechtert, er kann durch eine Erkrankung der Beine kaum mehr alleine gehen.

Ein Platz im Sozialzentrum in Brunn am Gebirge im Bezirk Mödling, in dem auch seine Oma jahrelang gelebt hatte, wäre die optimale Lösung. Doch dort wurde er jedoch vorerst abgelehnt. „Mein Sohn wird von der Gemeinde, in der er bislang sein ganzes Leben verbracht hat, im Stich gelassen“, ist seine Mutter Gerhild Bauer-Fraissl verärgert.

Delogierung als Grund
Der Grund dafür liegt acht Jahre zurück. Damals hatte der Mann auf Initiative einiger Nachbarn seine Wohnung verloren, er war von der Wohnbaugenossenschaft delogiert worden. Drogen und Alkohol sollen bei den Streitereien häufiger im Spiel gewesen sein. Den Rauschmitteln hat er zwar längst abgeschworen, aufgrund seiner „wilden Vergangenheit“ sind die Chancen auf einen Platz im Sozialzentrum aber gering. „Dort wohnen viele ältere Menschen, die besonders sensibel sind, was ihre Nachbarschaft betrifft. Aktuell ist aber ohnehin keine Wohnung frei“, so Bürgermeister Andreas Linhart.

Zitat Icon

Aktuell ist keine Wohnung frei, aber die Tür ist nicht gänzlich zu. Wir werden im Gemeindevorstand darüber beraten.

Bürgermeister Andreas Linhart

Für Bauer-Fraissl ein Skandal: „Menschen ändern sich. Es kann Sascha doch kein alter Vorfall zum Verhängnis werden.“ Doch die Zeit drängt.  Denn Fraissls Zustand verschlimmert sich, die Amputation eines Unterschenkels droht. Zu seiner Mutter kann er aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit ihrer Wohnung nicht ziehen, vorübergehend kann er bei einem Bekannten unterkommen, wohl aber nur für ein paar Wochen. Zudem haben sich die Vorkommnisse der letzten Wochen massiv auf die Psyche des 40-Jährigen ausgewirkt.

Gibt es befristete Wohnung?
Doch Linhart gibt zumindest ein bisschen Hoffnung. Denn über die Vergabe einer Wohnung im Sozialzentrum entscheidet der Gemeindevorstand, dessen Vorsitz der SPÖ-Bürgermeister hat. Zwar hat er selbst kein Stimmrecht, Linhart wird die Angelegenheit aber im nächsten Ausschuss am 23. Jänner zur Sprache bringen. Denkbar ist etwa, dass Fraissl im kommenden Jahr eine vorerst befristete Wohnung erhält. Seine Mutter ist sich jedenfalls sicher, dass es keine Probleme geben würde: „Sascha ging dort jahrelang ein und aus, als seine Oma im Sozialzentrum gelebt hat und er ist mit allen gut ausgekommen.“

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