17.04.2012 16:47 |

"Finger Gottes"

Seit 1951 wurden in Österreich 90 Tornados registriert

Es gibt einen Grund, wieso man Tornados auch die "Finger Gottes" nennt - denn ihre Berührungen vergisst man nie. Sie können Häuser um Meter versetzen, Tanklastwagen wie Spielzeugautos durch die Luft wirbeln und saugen ganze Straßen weg. In Österreich wurden schon 90 dieser Naturgewalten gemeldet.

"Eine furchtbare Wetterkatastrophe in Wiener Neustadt! Ungeheure Verwüstungen durch eine Windhose" - so titelte die "Kronen Zeitung" am 11. Juli 1916. Und ungeheuer war die Naturgewalt tatsächlich: Der Rüssel schwoll auf bis zu einen Kilometer Breite an, donnerte unaufhaltsam auf eine Wiener Neustädter Lokomotivfabrik zu, zerstörte Häuser, Telegraphen- und Telefonmasten, beschädigte sogar die Spinnerin am Kreuz schwer. Eine 330 km/h starke Gewitter-Superzelle, die 32 Menschen das Leben gekostet hat.

Die Fotos der Zerstörung sind schwarz-weiß und alt (zweites Bild), aber sie ähneln sehr den Fotos aus dem Zentrum der USA. Dort hat die Tornado-Saison begonnen, die Holzhäuser zerbersten in den Windhosen, Menschen flüchten in ihre Bunker oder in Massen aus den Städten. Die bange Frage vieler Österreicher: Kann das hierzulande wieder passieren? "Es kann", sagt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. "Von 1951 bis 2009 wurden vom Wetterdienst Österreich rund 90 Tornados registriert."

"Abnehmende Höhenwinde spielen bei der Entstehung der Tornados eine entscheidende Rolle", so Felix Welzenbach von Ubimet. "Im Alpenraum kommen lokale Prozesse hinzu, die bis heute nicht vollständig verstanden wurden." Eingeteilt werden sie nach der Fujita-Skala: Von 0 (leichte Schäden an Schornsteinen usw.) bis 12 (physikalisch nicht überschreitbare Grenze der Schallgeschwindigkeit).

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