Mit Knalleffekt verabschiedet sich Hauptplatzwirtin Astrid Wisgrill von der ÖVP Waidhofen an der Thaya: In einem offenen Brief an Stadtchef Josef Ramharter erklärt sie ihren Austritt und begründet diesen mit Kritik an ihm. Dieser versteht nicht, wie sie zu dieser kommt und spricht von Missverständnissen.
Unter dem Vorvorgänger von Josef Ramharter - Altbürgermeister Robert Altschach - kandidierte Wirtin Astrid Wisgrill erstmals auf der ÖVP-Liste für den Gemeinderat. Jetzt tritt sie aus der Partei aus. In einem offenen Brief an den Stadtchef erklärt die Hauptplatz-Gastronomin, warum sie zu dieser Entscheidung gekommen sei. Sehr gerne sei sie unter Altschach zur ÖVP gegangen, um mitzuarbeiten. „Mir gefiel sein Stil und auch die Art und Weise, wie er mit Bürgern umging. Er war auch kritikfähig“, schreibt Wisgrill. Diese besonderen Merkmale hätte sie auch bei Altschachs Nachfolgerin Eunike Grahofer, die nur einige Monate Bürgermeisterin der Waldviertler Bezirksstadt war, erleben dürfen.
Kritik am amtierenden Stadtchef
„Bei dir, lieber Josef, ist das leider ganz anders“, schreibt die Wirtin, die in Zukunft trotzdem weiterhin dem Gemeinderat als Parteilose angehören will, weiter. Sie könne es noch immer nicht verstehen und glauben, dass Ramharter tatsächlich gesagt hätte, dass er mit Windkraftgegnern und Impfverweigerern kein einziges Wort mehr rede. „Diese Haltung kann und darf ein Bürgermeister niemals einnehmen. Da ich seit über einem Jahrzehnt ein Gasthaus betreibe, weiß ich, wie man mit Menschen und auch Gemeindebürgern umzugehen hat. Auch ich akzeptiere die Vielfalt der Meinungen meiner Gäste. Das ist ein Zeichen von Größe“, führt Wisgrill weiter aus.
Ramharter: „Laufend Gespräche mit Gegnern“
Waidhofens Bürgermeister Josef Ramharter spricht indes von einem Missverständnis und dass er diese Reaktion schade finde. „Ich habe nie gesagt, dass ich mit Windkraftgegnern oder Impfverweigerern nicht mehr reden will. Ich habe gesagt, dass man Menschen, die hier von ihrer Meinung überzeugt sind, nicht umstimmen kann und dass ich das daher gar nicht probiere“, betont Ramharter. Er führe derzeit laufend Gespräche mit Windkraftgegnern und halte es auch für wichtig, im Gespräch zu bleiben.
Meinungsfreiheit in ÖVP
Der Stadtchef fände es bedauerlich, dass dieses Missverständnis entstanden sei. Als weiteres Beispiel, dass er für Meinungsfreiheit stehe, führt er eine Abstimmung zum Thema Windkraft im Gemeinderat an: „Eine ÖVP-Mandatar von uns hat da mit der FPÖ mitgestimmt, ein weiterer hat sich enthalten.“ Trotz der öffentlichen Kritik möchte er das Gespräch zu der Wirtin suchen, auch mit Vorvorgänger Altschach möchte er reden.
Wisgrill bleibt als „Wilde“ im Gemeinderat
Das Austrittsschreiben an Ramharter wurde über die FPÖ an die Öffentlichkeit gebracht. Landtagspräsident Gottfried Waldhäusl sei ihr Ex-Lebensgefährte, mit dem sie nach wie vor ein gutes Einvernehmen hätte, betont die Wirtin. Daher habe sie sich an den Politprofi gewandt, damit sie auch einer breiten Öffentlichkeit ihre Beweggründe für den Parteiaustritt näherbringen kann. Sie will als Parteilose im Gemeinderätin weiter vertreten sein, denn sie sei schließlich auch dafür gewählt worden. „Bis zum Ende der Periode werde ich als freier Mandatar überparteilich für unser Waidhofen arbeiten“, so Wisgrill.
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