Di, 14. August 2018

Kunde soll zahlen

18.03.2012 11:11

Plastiksackerl: EU will Zwangsabgabe statt Verbot

Eigentlich soll das Plastiksackerl bald Geschichte sein. Doch laut einer Studie der EU-Kommission wäre ein europaweites Verbot von Plastiksackerl rechtlich bedenklich. Eine bessere Lösung wäre eine Zwangsabgabe für Kunden, heißt es in einem internen Gutachten, aus dem der "Spiegel" am Sonntag zitierte. Die große Mehrheit der Europäer hatte sich zuletzt in einer Online-Befragung der EU-Kommission für ein EU-weites Verbot von Plastiksackerl ausgesprochen.

Zwar würde sich ein Verbot positiv auf den Umweltschutz auswirken, Tragetaschen aus Plastik europaweit zu verbannen, stehe aber im Konflikt mit den Regeln des EU-Binnenmarkts und dem internationalen Handelsrecht, wie aus dem internen Gutachten laut "Spiegel" hervorgeht.

"Ungesetzliche Verzerrung"
Auch ein nationales Verbot einzelner Mitgliedstaaten sei nicht mit EU-Recht vereinbar, weil es "eine ungesetzliche Verzerrung des Markts" darstelle, heißt es weiter. Zudem würde ein Verbot viele der rund 275 Produzenten von Plastiksackerl mit ihren etwa 17.500 Beschäftigten in ihrer Existenz gefährden. EU-Umweltkommissar Janez Potocnik will den Verbrauch von Plastiksackerl senken und prüft derzeit alle Möglichkeiten - bis hin zu einem Verbot.

Studie schlägt Zwangsabgabe vor
Die Autoren der Studie sprechen sich dafür aus, die unentgeltliche Abgabe der Sackerl zu verbieten. Der Preis sollte so hoch sein, dass er die Arbeits- und Umweltkosten trage. Zudem müsse er immer wieder erhöht werden, damit sich die Verbraucher nicht daran gewöhnten.

Die Umweltexperten schlagen vor, ein europaweites Ziel zur Reduzierung von Plastiksackerl festzulegen - ähnlich wie bei der Absenkung des Kohlendioxidausstoßes. So soll im Jahr 2020 jeder EU-Bürger im Durchschnitt nur noch 39 Plastiksackerl im Jahr verbrauchen, das wären 80 Prozent weniger als 2010.

Berlakovich hält Verbot nicht für möglich
Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich hatte zuletzt im Jänner seine Position bekräftigt, dass ein Sackerl-Verbot aufgrund der Europäischen Verpackungsverordnung nicht möglich sei. Er will stattdessen auf biologisch abbaubare Kunststoffe setzen.

Die große Mehrheit der EU-Bürger ist hingegen für das Plastiksackerl-Verbot, wie eine frei zugängliche Online-Befragung der EU-Kommission ergab. 71 Prozent von insgesamt 15.538 Teilnehmern der Befragung, die von 17. Mai bis 9. August 2011 lief, sprachen sich für ein EU-weites Verbot aus.

Ein EU-Bürger verbraucht nach Angaben der Kommission pro Jahr im Schnitt 500 Plastik-Tragetaschen. Allein im Mittelmeer dürften derzeit 500 Tonnen Kunststoff treiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.