Israelische Offensive

Palästinenser flüchten aus Flüchtlingslager

Ausland
04.07.2023 09:11

Israels Armee hat ihre am Montag begonnene Militäroffensive im besetzten Westjordanland in der Nacht auf Dienstag fortgesetzt. Bei Luftangriffen und Gefechten am Boden seien mindestens zehn Menschen getötet worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Widersprüchliche Angaben gab es über eine mutmaßlich angeordnete Räumung eines Flüchtlingslagers, in dem rund 17.000 Personen leben.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond brachte nach eigenen Angaben gut 3000 der 14.000 Bewohner des Flüchtlingscamps in Sicherheit. Aufnahmen im Netz zeigten, dass viele Menschen aus ihren Häusern strömten. Palästinensische Medien sprachen von einem Räumungsbefehl. Dies wurde allerdings von israelischen Sicherheitsbeamten abgestritten. Demnach flüchteten die Menschen zu Tausenden vor den Kämpfen.

Auch aufseiten der Israelis gab es bereits Verwundete. Hier wird ein Soldat von Sanitätern abtransportiert. (Bild: APA/AFP/Menahem KAHANA)
Auch aufseiten der Israelis gab es bereits Verwundete. Hier wird ein Soldat von Sanitätern abtransportiert.

Netanjahu: „Militäroffensive wird so lange dauern wie nötig“
Die dicht besiedelte Stadt Dschenin und das dazugehörende Flüchtlingslager gelten als Hochburg militanter Palästinenser. Finanziert werden die verschiedenen Gruppierungen vor allem vom Iran, einem Erzfeind des Staates Israel. „In den vergangenen Monaten ist Dschenin zu einem Rückzugsort für Terrorismus geworden, von dem aus heimtückische Attacken auf israelische Männer, Frauen und Kinder verübt wurden“, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem Auftritt am Montagabend. „Israelische Soldaten tun alles dafür, um den Tod von Zivilisten zu vermeiden, während Israel alles dafür tut, um sein Recht auf Selbstverteidigung auszuüben.“ Ziel sei es, all jene auszuschalten, „die unser Land vernichten wollen“. Die Militäroffensive werde so lange dauern wie nötig, „um die Mission zu erfüllen“, wurde Netanjahu von israelischen Medien zitiert.

Eine palästinensische Mutter bringt ihre Kinder in Sicherheit. (Bild: AP)
Eine palästinensische Mutter bringt ihre Kinder in Sicherheit.

Die israelische Regierung stellte am Dienstag allerdings ein baldiges Ende des Großeinsatzes in Aussicht. Man sei kurz davor, die gesetzten Ziele zu erreichen, sagte der Nationale Sicherheitsberater Tzachi Hanebi. Ein Militärsprecher teilte allerdings mit, dass Soldaten in bestimmten Bereichen des Camps für weitere Durchsuchungen im Tagesverlauf postiert würden. „Wenn es zu Spannungen mit Terroristen kommt, werden wir sie auch bekämpfen.“ Den Angaben zufolge sei ein unterirdischer Schacht beschossen worden, der für die Lagerung von Sprengstoff genutzt worden sei. „Außerdem haben Soldaten zwei Einsatzräume von terroristischen Organisationen in dem Gebiet geortet und zerstört“, hieß es in der Mitteilung der Armee weiter.

Sicherheitslage in Palästinensergebieten angespannt
Die palästinensische Autonomiebehörde hatte nach einem Treffen ihrer Führungsriege am Montagabend angekündigt, dass es mit Israel in Sicherheitsfragen keine Zusammenarbeit mehr geben werde. Ähnliche Ankündigungen hatte die Autonomiebehörde schon bei früheren Gelegenheiten gemacht - sie wurden allerdings faktisch nicht umgesetzt. In dem seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt gehaltenen Westjordanland hat die Gewalt zuletzt zugenommen. Seit Beginn des Jahres kamen mehr als zwei Dutzend Menschen bei Anschlägen von Palästinensern ums Leben. Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 140 Palästinenser bei gewaltsamen Zusammenstößen, israelischen Militäreinsätzen oder nach eigenen Anschlägen getötet.

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