Mi, 19. September 2018

Sechs Jahre Sperre

06.12.2011 09:54

Hoffmanns Anwalt: "Urteil ist jenseits von Gut und Böse"

Wie die Nationale Anti-Doping-Agentur Österreichs am Dienstagvormittag auf Nachfrage von krone.at bestätigte, ist Ex-Weltklasse-Langläufer Christian Hoffmann am Montag für sechs Jahre gesperrt worden. Dem 36-Jährigen wird ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen zur Last gelegt. Da Hoffmann nie eine positive Dopingprobe abgelegt hatte, überrascht die Härte der Sanktion. Hoffmanns Anwalt spricht daher von "Zuständen wie in Russland" und von einem "reinen Akt der Willkür".

Laut NADA-Chef Christian Schwab hat der Besuch der hinlänglich bekannten Plasmapheresestation Humanplasma in Wien und der Mitbesitz einer Blutzentrifuge zu der Sperre geführt. "Die Rechtskommission hat es als erwiesen angesehen, dass Christian Hoffmann bei Humanplasma gewesen ist und ebenso, dass er Mitbesitzer einer Blutzentrifuge gewesen ist", sagte Schwab. In der Urteilsfindung sei man vorliegenden Beweismitteln der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft sowie der Zeugenaussage von Ex-Radprofi Bernhard Kohl gefolgt.

Hoffmanns Anwalt kämpft gegen die NADA
Hoffmanns Verteidiger Hans-Moritz Pott bemängelte hingegen, dass der Schuldspruch ohne die Vorlage von Beweisen erfolgt sei. "Es wurde nicht ein Verstoß unter Beweis gestellt. Das Urteil ist jenseits von Gut und Böse", echauffierte sich der Rechtsanwalt. Er werde bei der zuständigen Schiedskommission und falls nötig später auch beim Internationalen Sportgerichtshof Einspruch einlegen, kündigte Pott an. Auch auf dem Zivilrechtsweg will er weiter gegen die NADA vorgehen. "Wir nützen alles aus, auch wenn die Kosten gigantisch sind", bekräftigte er. Bereits jetzt habe Hoffmann 14.000 Euro an Verfahrenskosten aufgewendet, so Pott.

Für die Anwesenheit bei Humanplasma, wo sich in den Jahren 2003 bis 2006 rund 30 Sportler Blutabnahmen zum Zweck des späteren mutmaßlichen Dopings unterzogen haben, erhielt Hoffmann zwei Jahre. Die Miteigentümerschaft der Zentrifuge brachte ihm vier Jahre ein. Die Sperre wurde rückwirkend ab Dezember 2009, als die NADA das Verfahren gegen Hoffmann aufgenommen und eine seither aufrechte Suspendierung ausgesprochen hatte, festgelegt.

"Zustände wie in Russland"
Im Detail bemängelte Pott, dass sich die Rechtskommission bei beiden Verstößen lediglich auf Vernehmungen der SOKO Doping und Protokolle aus den Verhandlungen gegen Hoffmanns ehemaligen Trainer Walter Mayer und den Sportmanager Stefan Matschiner gestützt habe. Eine eigentliche Befragung der Zeugen sei nie erfolgt. "Es gibt keine Zeugenaussage von Herrn Kohl, er ist nie erschienen. Die Aussagen wurden nur verlesen und gegen meinen Widerstand herangezogen. Ich habe niemanden befragen können, das sind Zustände wie in Russland. Das Urteil stützt sich auf reine Vermutungen, das ist rechtsstaatlich wie in Dschibuti", ärgerte sich Pott.

Außerdem habe Matschiner eine Aussage von Kohl über die Anschaffung der Blutzentrifuge durch seine Person, Hoffmann und den dänischen Radprofi Michael Rasmussen mittlerweile eidesstattlich in Abrede gestellt, führte der Anwalt weiter aus. Laut Schwab habe Hoffmann durch den Mitbesitz der Zentrifuge anderen Sportlern ermöglicht, sich ebenfalls eines Dopingvergehens schuldig zu machen. Die Rechtskommission beließ es diesbezüglich aber bei der Mindeststrafe von vier Jahren, das Strafmaß reicht bis lebenslänglich.

Gandler zerstreut Comeback-Gerüchte
Indes verwies Hoffmanns ehemaliger Teamkollege, der nunmehrige ÖSV-Langlaufchef Markus Gandler, die kolportierten Comeback-Absichten für die Olympischen Winterspiele 2014 ins Reich der Fantasie. "Das war mir gegenüber nie ein Thema. Dass er mit dem ÖSV-Team mittrainiert hat, ist Blödsinn", sagte Gandler.

Er habe Hoffmann kürzlich zufällig in dessen Wohnort Ramsau getroffen. Dort sei der gebürtige Oberösterreicher natürlich regelmäßig auf den Loipen anzutreffen, von einem geplanten Comeback könne aber keine Rede sein, so Gandler. Den ÖSV-Funktionär wundert, dass wie auch schon in anderen Fällen passiert, das Urteil neuerlich unmittelbar vor einem rot-weiß-roten Großereignis, diesmal der Heimweltcup in Hochfilzen, bekanntgeben wurde. "Das kann kein Zufall sein. Ich vermute, da will jemand dem Skiverband eins auswischen", sagte Gandler.

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