Wegen des Anstiegs der Unfälle von Mountain- und E-Bikern in den letzten Jahren startet das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit unter dem Motto „Prävention ist besser als alpine Rettung“ eine Infokampagne.
Von 1. November 2021 bis 31. Oktober 2022 ereigneten sich in Tirol 427 Bikeunfälle. Der Zehnjahresschnitt liegt hingegen bei nur 258. Insgesamt 423 verletzten Mountain- bzw. E-Bikern stehen 254 im Zehnjahresmittel entgegen. Tödlich verunglückt sind fünf Pedalritter, im Zehn-Jahreszeitraum waren es 3. Österreichweit haben sich die Unfallzahlen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. In Tirol beträgt der Multiplikationsfaktor sogar mehr als 4!
Mountainbiken ein gesunder Sport
Peter Paal, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) hat daher im vergangenen Herbst unter dem Motto „Prävention ist besser als alpine Rettung“ eine Kampagne zur Reduktion der dramatischen Unfallzahlen ins Leben gerufen. Die Kampagne will Mountainbiken gleichzeitig als äußerst gesunden Sport präsentieren.
Oft Selbstüberschätzung
„Selbstüberschätzung, zu hohe körperliche Belastung, mangelnde Fahrtechnik und unzureichende Tourenplanung – das sind die vier Säulen, auf denen die Unfälle passieren“, erklärte am Montag Matthias Knaus, Geschäftsführer des ÖKAS, in einem Pressegespräch zur Kampagne. An der sind im Rahmen eines Interregprojektes noch Partner beteiligt – unter anderem das Bayrische Kuratorium für Alpine Sicherheit. Die steigenden Unfallzahlen ließen sich auch dadurch erklären, dass die Zahl der Biker – wegen des E-Bikebooms und der vielen neuen Bikeparks und Singletrails stark zugenommen hat.
Zur Prävention raten wir gerade älteren Sportlern, ihre Leistungsfähigkeit regelmäßig von einem Arzt abklären zu lassen.
Matthias Knaus, Geschäftsführer ÖKAS
Todesursache Herz-Kreislauf-Problem
Im Beobachtungszeitraum 2021/2022 erwiesen sich neben Stürzen die Herz-Kreislauf-Störungen beim Bergauffahren als Ursachen von Todesfällen. Laut Knaus stellt der normale Forstweg das unfallträchtigste Terrain dar, die meisten Unfälle würden sich auf den Abfahrten ereignen. Unter den Opfern befinden sich junge Sportler genauso wie Biker im Seniorenalter.
Regelmäßige ärztliche Untersuchung
„Zur Prävention raten wir gerade älteren Sportlern, ihre Leistungsfähigkeit regelmäßig von einem Arzt abklären zu lassen“, sagte Matthias Knaus. Und er empfiehlt – besonders den E-Bikern – ein Fahrtraining. Dieses würden inzwischen auch viele alpine Vereine anbieten.
"Erwarten uns viel von der Kampagne“
Mountainbikeunfälle stellen auch die Bergrettung vor Herausforderungen. Verletzungen bei Mountainbikeunfällen sind immer große Verletzungen, weiß Bruno Berloffa, Ortsstellenleiter der Bergrettung Innsbruck und selbst regelmäßig als Bergretter „draußen“ im Einsatz. Laut der Statistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, dem Berloffa als Vorstandsmitglied angehört, betreffen 22 Prozent der Verletzungen der Mountain- und E-Biker den Schulterbereich, in 13 Prozent der Fälle ist der Kopf betroffen. „Nicht vergessen darf man die Beckenverletzungen, die Lebensgefahr bedeuten können“, betont Berloffa.
Anforderungen an Retter steigen
Die Anforderungen an die Einsatzkräfte würden jedenfalls laufend zunehmen. In dem Zusammenhang nennt er den beträchtlichen Anteil von älteren Menschen im Kreis der E-Biker. „Wenn ein älterer Mensch verunglückt, gilt es bei der Versorgung auch stets die Möglichkeit von Vorerkrankungen im Auge zu behalten.“ Die Bergrettung passe sich jedenfalls an, die Ausbildung müsse immer breiter aufgestellt werden.
Wenn ein älterer Mensch verunglückt, gilt es bei der Versorgung auch stets die Möglichkeit von Vorerkrankungen im Auge zu behalten.
Bruno Berloffa, Ortsstellenleiter Bergrettung Innsbruck
Prävention verringert auch Einsätze
In Tourismusorten, wo es Bikeparks gebe, würden die örtlichen Bergretter wegen der vielen Unfälle bereits an ihre Grenzen stoßen. Mit Hilfe von Prävention könne man die Zahl der Unfälle und somit ebenfalls die Zahl der Einsätze verringern.
Alkohol fast kein Thema
Was im weiteren Zusammenhang von „Prävention“ den Mountainbikern noch mitzugeben sei, ist die Tatsache, dass die Einsätze nicht kostenlos sind. Dieser Umstand habe sich in der Studentenstadt Innsbruck noch nicht unter allen jungen Bikern herumgesprochen. Dass viele Mountainbiker vor Unfällen zu tief ins Glas geschaut haben, sieht er nicht. „Wir sind aber ohnehin nur zum Retten da“, betont Berloffa.








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