Abfindung für Opfer

Frankreich: Nestlé muss für Pizza-Skandal zahlen

Ausland
17.04.2023 20:52

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat sich offenbar mit den Opfern der mit E.coli verseuchten Tiefkühlpizzen in Frankreich außergerichtlich geeinigt. Die französische Unternehmenstochter habe sich verpflichtet, den Opfern eine Entschädigung zu zahlen. Die „gütliche Entschädigungsvereinbarung“ sei bereits am 31. März unterzeichnet worden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Zur Höhe der Entschädigung wurden keine Angaben gemacht.

Nachdem es vergangenes Jahr in einer Fabrik der Nestlé-Tochter Buitoni im französischen Caudry zu einer Kontamination von Pizzateig mit E.coli-Bakterien gekommen war, starben zwei Kinder nach dem Verzehr der Pizzen an Nierenversagen. Dutzende weitere Konsumenten der verseuchten Speise erkrankten schwer.

Nestlé wegen „grober Fahrlässigkeit“ verklagt
„Jede der betroffenen Personen wird von Nestlé Frankreich einen Entschädigungsvorschlag erhalten, der auf eine medizinische Bewertung folgt und der auf gerechte Weise die Schwere der Schäden und jede Situation berücksichtigt“, so Buitoni Frankreich laut dem Artikel.

In der Fabrik der Nestlé-Tochter Buitoni im französischen Caudry war es zu einer Kontamination von Pizzateig mit E.coli-Bakterien gekommen. (Bild: AFP)
In der Fabrik der Nestlé-Tochter Buitoni im französischen Caudry war es zu einer Kontamination von Pizzateig mit E.coli-Bakterien gekommen.

Den Opfern solle dadurch eine „gerechte Entschädigung“ zukommen, wie der Anwalt Pierre Debuisson, der 63 Opfer vertritt, in einer separaten Erklärung schrieb. Debuisson hatte Nestlé wegen „grober Fahrlässigkeit“ vor dem Gericht in Nanterre verklagt und eine Entschädigung in Höhe von 250 Mio. Euro für seine Mandanten gefordert. Die Anhörung in dem Fall war für den 9. Mai vorgesehen gewesen.

Strafrechtliches Verfahren läuft weiter
Durch die Einigung wird der zivilrechtliche Teil des Falles abgeschlossen. Damit fällt auch die geplante Anhörung aus. „Im Rahmen des Zivilverfahrens sind gütliche Einigungen üblich und ermöglichen es, den Zivilrechtsstreit zu beenden“, erklärte Nestlé gegenüber AFP.

Die Buitoni-Fabrik in Caudry (Bild: AFP)
Die Buitoni-Fabrik in Caudry

Ein strafrechtliches Verfahren ist allerdings nach wie vor anhängig: Im Mai des vergangenen Jahres war in Paris eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden, insbesondere wegen fahrlässiger Tötung von zwei Opfern und fahrlässiger Körperverletzung von 14 weiteren Opfern, wie eine Gerichtsquelle berichtete. Anklage gegen Nestlé wurde jedoch bisher nicht erhoben.

Betroffene Fabrik geschlossen
Am 18. März 2022 hatte der Konzern seine Pizzen zurückgerufen und die beiden Produktionslinien der Pizzafabrik in Caudry geschlossen, nachdem die Fälle der Vergiftungen und Todesfälle bekannt worden waren. Am 1. April hatte die Präfektur in der dortigen Fabrik alle Aktivitäten untersagt, da die Gesundheitsbehörden einen Zusammenhang mit dem Verzehr der Pizzen und den Krankheitsfällen festgestellt hatten.

Die Mitarbeiter der Buitoni-Fabrik protestierten gegen die Schließung. (Bild: AFP)
Die Mitarbeiter der Buitoni-Fabrik protestierten gegen die Schließung.

Ein Jahr nach dem Fall kündigte Nestlé Ende März die endgültige Schließung der Fabrik in Caudry an. Diese war zuvor teilweise wieder in Betrieb genommen worden, hatte jedoch nach dem Skandal einen massiven Umsatzeinbruch verzeichnet. Die Mitarbeiter protestieren gegen die Schließung, jedoch bislang erfolglos. 

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