Grazer Oper: Janácek

Sexuelle Ausschweifungen und jede Menge Bigotterie

Steiermark
19.03.2023 18:00

Leoš Janáceks 1921 uraufgeführte Oper „Katja Kabanova“ ist an der Grazer Oper als plakative Inszenierung des jungen Teams rund um Regisseurin Anika Rutkovsky zu sehen. Gezeichnet wird das Bild einer übersexualisierten und bigotten Gesellschaft. Zum Glück kann die musikalische Umsetzung von Chefdirigent Roland Kluttig vieles retten.

Ein kleines Dorf nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Eine Kirche, die früher ein Schwimmbad war und nun einer streng orthodoxen Gemeinde als Treffpunkt dient und gleichzeitig einer geilen, bigotten Gesellschaft als Ort sexueller Ausschweifungen. Kein Wunder also, dass die „königliche Tür“ zum Heiligsten hier als Vulva gesehen wird. Alles in allem ist Eleni Konstantatous Bühne ziemlich überladen, die Ideen von Regisseurin Anika Rutkofsky erschöpfen sich hingegen relativ schnell. Sehr viel plakativer und klischeebehafteter kann man die Geschichte einer jungen Frau, die aus dem Korsett ihrer unglücklichen Ehe und aus der Enge der dörflichen Gemeinschaft ausbricht und letztlich an ihren eigenen Moralvorstellungen und Schuldgefühlen scheitert, nicht erzählen.

Genuss mit geschlossenen Augen
Zu Glück steht Roland Kluttig am Pult der Grazer Philharmoniker. Ihm gelingt es, gemeinsam mit dem bestens disponierten Orchester, dem famosen Chor und den hervorragenden Solisten durch kluge Wahl der Tempi und Lautstärken eine Fülle von Emotionen zu erzeugen und eine Tiefe in dieses Drama zu legen, die der Inszenierung fehlt. Mit geschlossenen Augen kann man Wunderbares erleben.

Das liegt auch an Marjukka Tepponen, die der Katja im Laufe des Abends eine berührende Kraft verleiht. Ihren Boris gestaltet Arnold Rutkowski eindringlich, auch Matthias Koziorowski als ihr Mann Tichon zeigt viele Facetten. Das zweite Liebespaar - Varvara (Mareike Jankowski) und Kudrjasch (Mario Lerchenberger) - gefällt ebenfalls ausnehmend gut. Iris Vermillion ist als böse Schwiegermutter kaum zu übertreffen, und Dikoj liegt bei Wilfried Zelinka in bewährten Händen. Warum ihn Kostümbildnerin Marie Sturminger als orthodoxen Patriarchen ausstaffiert, bleibt dennoch eines der Geheimnisse dieses Abends.

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