Do, 16. August 2018

Cameron-Vorstoß

09.09.2011 16:57

Streichen Briten Schwänzer-Eltern die Zuschüsse?

Großbritanniens Premier David Cameron hat nach den schweren Unruhen im August im "sozialen Kampf" um die Zukunft des Landes nun eine alte Idee wieder aus der Schublade gezogen: Eltern, deren Kinder regelmäßig die Schule schwänzen, sollen künftig die Sozialleistungen gestrichen werden. Indes waren am Freitag in London während des Begräbnisses jenes jungen Mannes, dessen gewaltsamer Tod die Krawalle ausgelöst hatte, rund 10.000 Polizisten im Einsatz.

Bei einer Rede zum Thema Bildung anlässlich einer Schuleröffnung in der Universitätsstadt Norwich sagte Cameron am Freitag, es müsse wieder Disziplin hergestellt werden - und den Schulen und Lehrern würden nun die Werkzeuge dazu in die Hände gegeben werden. Aber auch Eltern müssten etwas dafür tun: "Sie müssen wissen, dass ihre Untätigkeit Konsequenzen nach sich zieht. Wir brauchen Eltern, die einen echten Beitrag zur Erziehung ihrer Kinder leisten und mit realen Auswirkungen konfrontiert werden, wenn sich ihre Kinder ständig schlecht benehmen", so der Premier.

Ausschuss prüft Maßnahmen
Der im Anschluss an die jüngsten Unruhen eingerichtete Sozialpolitik-Ausschuss sei laut Cameron mit der Prüfung möglicher Streichungen von Zuschüssen für Eltern von Schulschwänzern beauftragt worden. Dies wäre zwar eine harte Maßnahme, aber Großbritannien müsse dringend Ordnung und Respekt in den Schulen wiederherstellen. Deshalb wolle er Ideen wie diese nicht vom Tisch haben, meinte der Regierungschef.

Pläne, Sozialleistungen für Eltern schwänzender Kinder zu streichen, waren schon unter Tony Blairs Labour-Regierung diskutiert, 2002 aber wieder aufgegeben worden. Stattdessen wurden damals Strafbescheide für Schulschwänzen eingeführt. Diese können von Schulleitern und der Polizei ausgestellt werden und betragen 50 Britische Pfund. Wenn Eltern die Strafe nicht innerhalb von 42 Tagen bezahlen, verdoppelt sich dieselbe, nach weiteren 42 Tagen können Strafverfolgung und eine Geldstrafe bis zu 1.000 Pfund folgen.

Zwischen 2004 und 2009 wurden laut der "BBC" insgesamt 69.436 "Strafbescheide für unregelmäßige Teilnahme am Schulunterricht" ausgestellt - und 88 für ausgeschlossene Schüler, die seit September 2007 während der Schulzeit an einem öffentlichen Ort aufgegriffen wurden.

Lehrervereinigung hält Pläne für kontraproduktiv
Nicht viel von Camerons neuem Vorstoß hält die britische Lehrervereinigung. Die Eltern von Schulschwänzern noch weiter zu verängstigen, würde der Sache nicht behilflich sein. Dies seien immerhin jene Menschen, die, um ihre Kinder zur Teilnahme an Unterricht und Ausbildung zu motivieren, die meiste Unterstützung benötigen würden, kommentierte Martin Johnson, stellvertretender Generalsekretär der Lehrervereinigung, die Pläne des Premierministers.

Polizei-Großaufgebot bei Beerdigung
In London nahmen indessen am Freitag Hunderte Menschen Abschied vom 29-jährigen Mark Duggan. Der vierfache Familienvater war am 4. August unter noch ungeklärten Umständen bei Ermittlungen der Polizei erschossen worden. Sein Tod löste die heftigen Krawalle von Jugendlichen aus, in denen sich auch die Wut über die Sozialkürzungen der Regierung entlud. Fünf Menschen starben während der mehrtägigen Gewalt, Hunderte Läden wurden geplündert.

Rund 10.000 Polizisten waren während Duggans Begräbnis in der britischen Hauptstadt im Einsatz. Die Umstände seines Todes soll eine Polizeiuntersuchung klären, die aber bis zu sechs Monate dauern soll.

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