Martin Hinteregger, Sasa Kalajdzic, Michael Gregoritsch oder auch Manuel Polster - Austrias Neo-Coach Michael Wimmer hatte bereits den ein oder anderen Österreicher unter seinen Fittichen. Mit der Wiener Austria will er nun einen österreichischen Klub weiterentwickeln, gar „neu erfinden“.
Mit Austria-Kapitän Lukas Mühl oder Altachs Leihspieler Alexis Tibidi kennt er die Bundesliga zwar bereits. „Genau muss ich die Liga aber noch kennenlernen“, hofft er noch auf Unterstützung des Vereins.
Für zweieinhalb Jahre hat der neue Austria-Coach Vertrag, gibt sich auf der Auftaktpressekonferenz höchst motiviert: „Ich habe mega Bock auf das Projekt, eine richtig geile Sache.“ Geplant ist „frecher Fußball“, was so viel wie „mehr unbekümmert als schüchtern oder gar zurückhaltend“ bedeuten soll. Vor allem von seinen jungen Spielern fordert er „mutigen“ Fußball.
„Sinn und Zweck bleibt das Toreschießen“
Beim ersten gemeinsamen Training heißt’s erstmals kennenlernen, auch den neuen Assistenztrainer, den er mitbringt. Und in weiterer Folge, „die Spielweise in die Mannschaft hineinzubekommen“. Diese sei, „früh in Ballbesitz zu kommen. Sinn und Zweck bleibt aber das Toreschießen.“ Zum Frühjahrsauftakt steht mit der Heimpartie gegen Klagenfurt gleich ein Finalspiel um die Top Sechs an: „Ich hatte sieben Finalspiele in Stuttgart, die bin ich gewohnt.“ Erst danach würden die Ziele „neu definiert“ werden. Ziel sei klarerweise, „international zu spielen“ - so Wimmer und Ortlechner unisono.
Gemeinsam hofft man auf „quick wins“, also „schnelle Erfolge“. Dabei müsse die Austria „funktionieren, wie eine geölte Maschine“. Jedes Rädchen müsse ins andere greifen. „Brav, lieb und nett“, sei vorbei. „Das sollte man zur Schwiegermama sein. Das muss in die Köpfe der Profisportler“, so sein Rat für die Lebensschule.
Koumetio so gut wie weg
Neue Kicker wird’s womöglich keine geben. „Wünsche habe ich keine, Weihnachten war erst“, scherzte der 42-Jährige, der „vom Kader überzeugt“ sei. Das bestätigte auch Sportdirektor Manuel Ortlechner ob der wirtschaftlichen Lage: „Transfers sind unwahrscheinlich, aber ausschließen kann ich es nicht, vor allem wenn Jungs sich verändern wollen“ Am ehesten seien Leihen im Rahmen des Möglichen. Lediglich bei der Personalie Billy Koumetio wurde er konkret: „Liverpool will ihn zurückholen. Er ist ein unfassbarer Spieler, der eine spannende Karriere vor sich hat. Zu 99 Prozent wird er nicht mehr für die Austria spielen. Das Recht haben sie, das steht auch so im Vertrag.“
Bei der Frage, ob der langjährige Nachwuchstrainer junge Talente an den Verteilerkreis lotsen könne, gab er sich bedeckt: „Diese Liga ist für jeden jungen Spieler interessant. Sie ist ein Sprungbrett“. Und bezog sich dabei wieder auf Altachs Fünf-Tore-Mann Tibidi.
Die Causa Schmid
Auch Fragen bezüglich einer womöglich ungewissen Zukunft wegen Lizenz und Co. brachten Wimmer nicht ins Schwitzen: „Ich habe mit ruhigem Gewissen unterschrieben.“ Ebenso unbeeindruckt sei er vom „Pulverfass“ Austria Wien, auch wenn er in seiner deutschen Heimat die Causa Manfred Schmid mitbekommen, „darüber gelesen“ habe.
Apropos Deutschland: Das Thema, ob’s denn keine österreichische Lösung gegeben hätte, kommt bei Trainerbestellungen vom „Lieblingsnachbarn“ oftmals auf. „Bayern ist das zehnte Bundesland von Österreich. Zusätzlich kommt er aus einer Top-Fünf-Liga. Da würde ich von einem halben Österreicher sprechen“, wies Ortlechner derartige Bemerkungen sofort zurück. Dabei seien bei den rund 20 Kandidaten auch heimische Übungsleiter dabei gewesen.
„Jede Kopie ist schlechter, als das Original"
Kurz vor Weihnachten gab’s das erste Mal Kontakt. „Bis 5. Dezember haben wir noch mit überhaupt keinem Kandidaten gesprochen“, so der langjährige Kapitän, der seine „Wunschlösung“ bekommen hat. Die Erfolge oder Spiele an der Seitenlinie mit Stuttgart seien dabei „irrelevant“ gewesen - „das Gespräch war entscheidend. Wir hatte ein 100-prozentiges Überschneiden unserer Ideen.“ Das betrifft auch den ähnlichen Fußball von der Jugend bis hin zu den Profis, aber auch „ähnliche Wörter beim Coaching“. Insellösungen seien „antiquiert“.
Somit startet in Wien Favoriten also der „Neufindungsprozess - nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich“. Und beruhigte die Fans: „Wir wollen nicht die Kugel nach vorne schießen und nachlaufen, oder LASK und Salzburg kopieren. Wir gehen den Weg mit jungen Spielern, ‚unseren Weg‘. Schreiben unsere eigene Identität, weil jede Kopie ist schlechter, als das Original.“
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