Nach einer Serie von jugendlichen Gewalttaten spricht der Grazer Kripo-Chef Gerhard Lachomsek im „Krone“-Interview über die Hintergründe und gibt Einblicke in die Ermittlungen.
„Krone“: In Graz ist es in letzter Zeit vermehrt zu Gewalttaten von Jugendlichen gekommen (wir haben berichtet). Haben wir es hier mit organisierten Banden zu tun?
Gerhard Lachomsek: Die Jugendkriminalität hat in Graz definitiv zugenommen, die Täter werden auch jünger und durchaus gewaltbereiter. Von Jugendbanden kann man aber nicht sprechen. Wir haben es mit Tätergruppen wechselnder Zusammensetzung zu tun.
Wodurch zeichnet sich diese aktuelle Serie an Gewalttaten aus?
Sozialen Medien kommt dabei eine besondere Rolle zu. Die Jugendlichen sprechen sich teilweise über diese Kommunikationskanäle ab, nutzen sie aber auch, um mit ihren Straftaten zu prahlen. Oft filmen sie ihre Taten und stellen die Videos dann ins Netz.
Wie schlägt sich diese bedenkliche Entwicklung in der Polizeiarbeit nieder?
Wir haben schon im Frühjahr eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die innerhalb des Kriminalreferats mit Mitgliedern aus den Bereichen Eigentums-, Raub- und Suchtmittelkriminalität aufgestellt ist. Soweit es die technischen Möglichkeiten zulassen, haben wir natürlich auch die sozialen Medien im Blick. Plattformen wie Snapchat etwa bieten aber kaum Möglichkeiten.
Gibt es nach den aktuellen Übergriffen schon Ermittlungserfolge?
Einige sind bereits geklärt, bei anderen sind wir intensiv dahinter. Es schaut von den bisherigen Ermittlungsergebnissen her aber sehr gut aus.
Was sind die Motive der jungen Täter und welchem Milieu sind sie zuzurechnen?
Teilweise sind es Mutproben, andererseits sind oft in Großfamilien ältere, kampfsportaffine Brüder Vorbilder, denen man nachzueifern versucht.
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