Versuchter Mord?

Steirer prügelte Passanten: „Nur verteidigt!“

Steiermark
02.11.2022 13:21

Ein Weststeirer ging auf der Straße grundlos auf Mensch los, prügelte sie ins Krankenhaus und prahlte dann mit seinen Taten im Internet. Das Gericht entschied im ersten Prozess, dass der Angeklagte es billigend in Kauf nahm, dass seine Opfer sterben. Deswegen muss er sich jetzt nicht nur wegen absichtlich schwerer Körperverletzung, sondern auch wegen versuchten Mordes verantworten. Der psychisch schwer Kranke leugnet eine Tötungsabsicht. „Ich habe mich verteidigt.“

Einem seiner Opfer - einer Frau - wurde der Unterkiefer dreifach zertrümmert, ein Mann lag mit lebensbedrohlichen Verletzungen zuerst im Koma und dann monatelang im Krankenhaus: Es sind nur zwei Auszüge aus der Liste der Prügelattacken eines jungen Steirers gegen Passanten. Beim ersten Prozess am Grazer Straflandesgericht im Februar entschied das Schöffengericht dann, dass es sich nicht nur um Körperverletzung, sondern auch um zwei versuchte Morde handelte. Am Mittwoch wurde dem 36-Jährigen nun erneut der Prozess gemacht. Diesmal allerdings vor Geschworenen.

„Grundlos und wahllos“
„Es waren wuchtige Schläge und gezielte Tritte gegen Zufallsopfer“, führt Staatsanwältin Anika Maierhofer in ihrem Plädoyer aus. „Grundlos und wahllos.“ Doch es sei kein klassisches Geschworenenverfahren, es gehe um eine Unterbringung des Betroffenen in einer Anstalt. „Denn er hat die Mordversuche und absichtlich schweren Körperverletzungen unter dem Einfluss einer psychischen Erkrankung begangen.“ Und es bestehe die Gefahr, dass er derartig schwere Taten wieder begeht.

Einigkeit herrschte zwischen Anklage und Verteidigung, was die Erkrankung betrifft. „Aber es gibt keinen einzigen Anhaltspunkt, dass mein Mandant jemanden töten wollte“, so der Verteidiger. Zudem verstehe er nicht, warum zwei Mordversuche und drei absichtlich schwere Körperverletzungen angeklagt wurden. „Denn die Vorgehensweise war immer gleich.“

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Nur glückliche Umstände haben dazu geführt, dass keiner gestorben ist.

Richter Raimund Frei

„Die waren alle unschuldig“
Der 36-Jährige selbst, der beim Prozess stark sediert ist und fahrig wirkt, erklärt dem Geschworenengericht (Vorsitz: Raimund Frei), dass er sich nur verteidigt hat. „Nach hundertmal habe ich mich halt wehren müssen.“ Gelacht hätten sie über ihn, ihn nachgeäfft und blöd angeschaut. „Aber da war keine Situation, in der sie sich verteidigen mussten. Die waren alle unschuldig“, widerspricht der Richter. 

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Warum ich meine Faust gepostet habe? Weil ich schon ein bissl stolz war. Und weil ich endlich meine Ruhe wollte, sarkastisch gemeint.

Der Steirer (36)

„Warum haben sie nach den Faustschlägen noch auf die Opfer am Boden eingetreten?“, will der Richter wissen. „Ich bin keiner, der zutritt“, beteuert der 36-Jährige. Aber wenn er es getan habe, dann nur, aus Selbstschutz. „Ich erinnere mich aber nicht. Ich habe nur generell schwarzgesehen.“ Gutachter Manfred Walz attestiert dem Schläger unter anderem eine paranoide Schizophrenie und hohe Gefährlichkeit. Er empfiehlt die Einweisung.

Am Mittwoch kamen noch Zeugen an die Reihe. Eine Entscheidung der Geschworenen soll es am Donnerstag geben. 

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