Ortstafelsturm 1972

Dialog ohne Angst und Hass zwischen alten Gegnern

Kärnten
20.09.2022 16:00

Aus erbitterten Gegnern wurden über die Jahre Verbündete. Die Vertreter von Kärntner Heimatdienst und Zentralverband der Slowenen blicken optimistisch in die Zukunft.

Alte Ängste und alter Hass entluden sich vor 50 Jahren, als aufgebrachte Kärntner über Nacht zweisprachige Ortstafeln umgerissen und beschmiert hatten. Dieser Ortstafelsturm schockierte ganz Österreich. „Meine Mutter hatte mich angerufen und gebeten, nicht nach Kärnten zu kommen“, erinnert sich Marjan Sturm, der als Student in Wien lebte. „Ortstafelstürmer fuhren im Hof meiner Familie hupend im Kreis - sie war völlig verängstigt.“

(Bild: ORF)
(Bild: Stadttheater Klagenfurt)

Großkundgebung als Ventil für die Wut
Josef Feldner, damals frisch gebackener Obmann des Kärntner Heimatdienstes, organisierte eine Großkundgebung mit 20.000 Personen in Klagenfurt: „Ich hatte von einer 1000 Mann starken Demonstration von Leuten aus St. Kanzian vor der Landesregierung gehört - deswegen haben wir selbst etwas auf die Beine gestellt. Damit haben wir ein Ventil für den Unmut der Leute geschaffen und wahrscheinlich Schlimmeres verhindert.“ Diese einst erbitterten Gegner haben sich über die Jahre angenähert. Daraus entstand eine Zusammenarbeit für den Ortstafelkompromiss 2011. Heute ist ihr Blick in die Zukunft gerichtet.

Die Pressekonferenz von Kärntner Heimatdienst und dem Zentralverband Slowenischer Organisationen mit Alt-Obmann Josef Feldner, KHD-Obmann Andreas Mölzer, ZSO-Obmann Manuel Jug und Alt-Obmann Marjan Sturm (v.l.). (Bild: Felix Justich)
Die Pressekonferenz von Kärntner Heimatdienst und dem Zentralverband Slowenischer Organisationen mit Alt-Obmann Josef Feldner, KHD-Obmann Andreas Mölzer, ZSO-Obmann Manuel Jug und Alt-Obmann Marjan Sturm (v.l.).

Optimistischer Ausblick
„Die alten Urängste der Kärntner und Slowenen gibt es nicht mehr. Bei den Ortstafeln geht es um das Sichtbarmachen unserer gemeinsamen Kultur und nicht um Gebietsansprüche“, betont KHD-Obmann Andreas Mölzer. „Es ist ein permanenter Prozess, der natürlich noch nicht abgeschlossen ist.“ Auch Manuel Jug, ZSO-Obmann, ist zuversichtlich: „Im Dialog zwischen Volksgruppen und Generationen schaffen wir einen Friedensraum für beide Kulturen.“

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