Großes Interview

Starkes Bündnis zwischen Burgenland und Ukraine

Burgenland
31.07.2022 16:00

Landeshauptmänner im Doppelpack - Hans Peter Doskozil und sein Amtskollege in der westukrainischen Partnerregion, Viktor Mykyta, über Politik, Reformen und gegenseitigen Respekt ...

Was halten Sie von Ihrem Amtskollegen?

Doskozil: Ich habe Viktor bei ein paar Begegnungen kennenlernen dürfen. Ich glaube zu wissen, welche Arbeitsweise er verfolgt, um seine Region zum Besseren zu verändern. Er nimmt sich viel vor, kennt aber die Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet. Seine Geradlinigkeit, Korrektheit und Verlässlichkeit weiß ich zu schätzen.

Mykyta: Hans Peter und ich sind mehr als einfach Kollegen. Wir sind bereits Freunde. Ich sehe ihn als quasi älteren Freund mit mehr Erfahrung und mehr Verständnis für viele Dinge. Jedes Treffen von uns ist mit einem tieferen Sinn erfüllt. Und ich bedanke mich für seine Worte, dass ich korrekt und geradlinig bin und ganz konkrete Ziele erreichen will. Das ist auch so.

Was bringt die Kooperation den Partnerregionen?

Mykyta: Angesichts des Chaos, das der Krieg mit sich bringt, bekommen wir nicht nur emotionell Unterstützung, sondern auch in Wirtschaftsfragen. Unsere Gespräche sind wie ein vielfältiger Wissenstransfer. Das betrifft etwa den Weinbau und soll noch in andere Bereiche wie Sport und Kultur übergehen. Die Kooperation wird nicht nur rein ökonomisch sein, sondern soll die Menschen in unseren Partnerregionen verbinden.

Doskozil: Die humanitäre Unterstützung der Ukraine durch das Burgenland ist nicht nur ein Zeichen der Solidarität, vielmehr ist sie eine Bürgerpflicht. Unsere Partnerschaft ist darüber hinaus ein Voneinander-Lernen der Regionen auf allen Ebenen. So sollen Kooperationen und Völkerverständigung funktionieren.

Sind Sie ein Reformer?

Mykyta: Wir sind alle Reformer. Das ist der einzige Weg, um ein Ziel zu erreichen. Nur mit Reformen kann man eine zukunftsweisende Richtung einschlagen. In der Ukraine muss noch viel verändert werden. Das beginnt bei der Denkweise der Menschen. Der Krieg hinterlässt seine Spuren, er beeinflusst die Werte einer Gesellschaft und das Selbstwertgefühl. Wir sehen auch, was die Europäische Union und die Europäer leisten. Sie opfern ihren Wohlstand und ihre wirtschaftliche Sicherheit, in dem sie die Ukraine unterstützen. Wir dürfen jetzt nicht auf einen schiefen Weg geraten. Doch ich bin überzeugt, wir schaffen das und setzen wichtige Reformen um. Das sage ich aus tiefster Überzeugung.

Doskozil: Auch im Burgenland können wir uns nie einfach zurücklehnen und verwalten. Man muss ständig hinterfragen, ob man das Richtige macht. Man muss nicht nur den eigenen Weg hinterfragen, sondern auch Erfahrungen sammeln. Ich muss bereit sein, auch bessere Modelle oder Antworten anzunehmen. Man ist stets in einem Prozess der Erneuerung. Nur ein Beispiel: Ich war zwei Jahre lang Verteidigungsminister und mir haben die Strukturen des Verteidigungsministeriums überhaupt nicht gefallen. Es war historisch organisiert, aus dem Kalten Krieg heraus. Ein Riesenapparat an der Spitze, bei der Truppe wurde immer gespart. So haben wir in einem Jahr ziemlich rasch umstrukturiert. Sehr stolz waren wir darauf, dass wir mehr junge Menschen begeistern konnten, zum österreichischen Bundesheer zu gehen.

Welche Ziele haben Sie bereits erreicht?

Mykyta: Ich war viel im Sicherheitsdienst tätig. Das Ziel war eigentlich stets dasselbe, das Leben der Menschen zu verbessern, konkret jenes meiner Mitarbeiter. Viele informelle Reformen wurden durchgeführt, und das Leben hat sich zum Besseren gewendet. Wenn ich nicht erfolgreich wäre, würde ich jetzt nicht hier sitzen. In meinem derzeitigen Amt habe ich viele Ideen und Vorhaben. Es reichen nicht die Finger beider Hände, um die Reformen, die ich durchsetzen will, zu zählen.

Doskozil: Das breitgefächerte Spektrum erstreckt sich vom Verkehr über Bildung und Kultur bis zur Gesundheit. Aktuell etablieren wir etwa ein Pflegemodell, weil es eine wichtige Frage ist, wie wir mit unseren älteren Generationen umgehen. Dieses Modell gibt es nur im Burgenland und keinem anderen Bundesland.

Mykyta als Sicherheitsexperte, Doskozil als Minister – nun sind sie im höchsten Amt auf regionaler Ebene. Was ist effektiver, dieser Job oder die Arbeit auf Bundesebene?

Doskozil: Abgesehen vom emotionalen Zugang, ist es jetzt viel effektiver. In vielen Bereichen können wir selbstständig gestalten, ohne den Bund fragen zu müssen. Jeder Minister ist zwar für sich eigenverantwortlich, in Wirklichkeit steuert aber der Finanzminister alles für das Budget, zumindest in Österreich. Und er hat die Möglichkeit alle Tätigkeiten, Reformen zu blockieren.

Mykyta: Also, die Karriere verlief ähnlich bei uns beiden. Und Hans Peter hat es genauso gesagt, wie ich das sehe. Rationalität, Emotionen, Nützlichkeit und Effektivität sind größer, wenn du mehrere Zuständigkeitsbereiche inne hast und nicht nur in einem engeren Umfeld tätig bist.

Was zeichnet Ihre Politik aus?

Doskozil: Ich habe das Amt des Landeshauptmannes zirka 14 Monate vor den Wahlen übernommen. Mein Credo ist immer, bei Wahlen nicht nur etwas zu versprechen, sondern schon ein Ergebnis zu präsentieren und durch den Wahlausgang die Rechnung präsentiert zu bekommen. So war es, als wir in den Monaten vor dem Urnengang im großen Apparat der öffentlichen Verwaltung den Mindestlohn umgesetzt haben. Das war nicht einfach, weil die kompletten Gehaltssysteme umgestellt werden mussten. Man muss auch Menschen überzeugen und einige Hürden überwinden, wenn man ans Ziel kommen will. Jetzt sind wir froh, dass wir das gemacht haben.

Mykyta: Ich bin eher ein Technokrat als ein Politiker. Vielleicht habe ich zu wenig Erfahrung, was die Politik betrifft. Ich bin für konkrete Handlungen und möchte schnelle Ergebnisse sehen. Ansonsten muss man ein langwieriges politisches Spiel spielen, daran will ich mich nicht beteiligen, weil ich es als verschwendete Zeit empfinde. Stattdessen will ich genauso zielstrebig wie bisher die Gelegenheit nutzen, um von unserer Partnerschaft mit dem Burgenland und der Erfahrung von Hans Peter zu profitieren.

Was schätzen Sie an dem Heimatland Ihres Kollegen – und mittlerweile Freundes?

Mykyta: Die sauberen Straßen ... Man kann nicht sagen, dass die Häuser groß oder teuer sind, es ist alles sehr rationell und praktisch. Der Ukraine fehlt das. Bei uns gibt es extreme Unterschiede zwischen arm und reich, das lässt sich an den Häusern und den Autos erkennen. Die Burgenländer, und die Österreicher generell, schätzen die Qualität des Lebens und wollen nicht unbedingt zeigen, wie viel Geld sie haben.

Doskozil: Mir sind viele Besonderheiten der Ukraine erst durch die enge Kooperation mit unseren Partnern in Transkarpatien bewusst geworden. Da ist einerseits der wichtige Beitrag, den dieser Staat für die Landwirtschaft in Europa leistet, andererseits ist die hohe Innovationskraft im Bereich der Digitalisierung bemerkenswert. Auf der emotionalen Ebene beeindruckt mich immer wieder der große Zusammenhalt in dieser dramatischen Kriegssituation, die durch Russlands Angriff ausgelöst wurde.

Was haben Sie aus Sicht der Kooperation in der nächsten Zeit vor?

Doskozil: Wir werden sie gemeinsam klug nutzen.

Mykyta: Mit Vergnügen!

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