Immer mehr Burgenländer nutzen das Anstellungsmodell des Landes und pflegen Angehörige in den eigenen vier Wänden. Das Konzept hat seinen Reiz, immerhin warten eine faire Entlohnung und eine sozialrechtliche Absicherung. Eine Heimpflegerin erzählt.
Laut einer Studie von Gesundheit Österreich möchten 98,5 Prozent der älteren Generation so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden betreut werden. Rund 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden tatsächlich zu Hause von Angehörigen versorgt – zum Großteil von Frauen und das unentgeltlich! Um einem drohenden Pflegenotstand effektiv entgegenzuwirken und das Engagement der Frauen in der Care-Arbeit endlich zu würdigen, bietet das Burgenland über die Pflegeservice Burgenland GmbH. seit Oktober 2019 ein Anstellungsmodell für pflegende und betreuende Angehörige an, das mittlerweile auch auf Vertrauenspersonen ausgeweitet wurde.
Das Anstellungsmodell gilt für zu pflegende Kinder und Erwachsene mit Pflegestufe 3 bis 7. Derzeit nutzen es 332 Personen – 81 Prozent davon sind weiblich – zum burgenländischen Mindestlohn von 2.200 Euro netto bei Vollzeit. Die Begründung von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil: „Wer sich für diesen bedeutenden Job entscheidet, soll die besten Rahmenbedingungen vorfinden.“
Letzter Lebensabschnitt im Kreis der Familie
Karin Branagh aus Bad Sauerbrunn ist seit 2021 betreuende Angehörige. „Nachdem bei meinem Vater Krebs diagnostiziert wurde und es ihm während eines längeren Krankenhausaufenthaltes körperlich und emotional sehr schlecht ging, entschieden wir als Familie, ihn nach Hause zu holen. Mir war wichtig, meinen Vater in seinem letzten Lebensabschnitt im vertrauten Umfeld zu begleiten und zu pflegen“, erzählt die 48-Jährige. 2022 verstarb ihr Vater. Seither betreut Karin Branagh ihre an Demenz erkrankte Mutter Rosa Bierbauer. Sie begleitet sie zu Ärzten, organisiert Medikamente, hilft ihr im Haushalt und bei der Körperpflege und ist darüber hinaus eine wichtige emotionale Stütze. Die 78-Jährige hat Pflegestufe 3. Somit ist Frau Branagh 20 Stunden bei „Soziale Dienste Burgenland“ angestellt. Nebenbei arbeitet sie als Lebens- und Sozialbetreuerin.
Für meine Schwester und mich war ein Pflegeheim für unsere Eltern keine Alternative. Sie haben uns immer unterstützt. So kann ich vieles zurückgeben.
Heimpflegerin Karin Branagh
Neben einer anständigen Bezahlung ist Karin Branagh sozialversicherungsrechtlich voll abgesichert, sammelt Beitragszeiten für die Pension, hat Anspruch auf Erholungsurlaub und eine Ersatzkraft bei Krankheit und erhält zudem eine unentgeltliche Grundausbildung, die gleichzeitig die Basis für neue Berufschancen in der Pflege darstellt. Da sie bereits vor ihrer Anstellung als pflegende Angehörige im Pflege- und Sozialbereich tätig war, kann sie mit der Situation gut umgehen. „Selbstreflexion und Abgrenzung sind jedoch sehr wichtig“, sagt sie.
Vorbild für andere Bundesländer
Insgesamt profitierten bereits 578 Personen vom burgenländischen Anstellungsmodell. Doskozil wertet dies als erfreulichen Trend: „Das heißt nämlich, dass wir fast 600 burgenländischen Familien ermöglichen konnten, dass ihrem Wunsch entsprochen wird.“ Dass in Oberösterreich ein ähnliches Versuchsmodell zur Pflege von Angehörigen mit Behinderung gestartet wurde und auch in Graz seit März ein Testanstellungsprojekt für 17 angehörigenpflegende Personen am Laufen ist, zeige einmal mehr, „dass wir unserer Vorreiterrolle im Pflegebereich gerecht werden.“ Als nächstes will Doskozil mit einem „einzigartigen Pflegestützpunktmodell“ den „Mittelbau der Pflege“ wohnortnah, leistbar und qualitativ hochwertig absichern: „Geschäftemacherei ist in dem Bereich nicht angesagt!“
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