Industrie in OÖ

Der Umstieg auf Öl statt Gas, geht denn das?

Oberösterreich
07.07.2022 09:00

Beim Kochen den Deckel auf den Topf geben; die Waschmaschine erst einschalten, wenn sie voll ist – mit Energiespar-Tipps für den Alltag hatte sich Energieministerin Leonore Gewessler an die Bevölkerung gewandt. Beim Bundes-Gas-Gipfel am Dienstag wurde dann festgelegt, dass auf Geheiß von Gewessler nun heimische Großverbraucher ihre Anlagen von Gas auf Öl umrüsten sollen. Doch: Geht das überhaupt? Und wenn ja: Wie schnell?

Umstellung ist riskant
„Bei manchen Betrieben geht es relativ leicht, bei vielen jedoch gar nicht“, sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung OÖ. „Ich sehe die verpflichtende Umrüstung von bestimmten Anlagen kritisch“, betont Erich Frommwald, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer OÖ und Chef der Kirchdorfer-Gruppe.

Im Zementwerk in Kirchdorf wird Gas beim Hochfahren des Ofens und in der Abgasreinigungsanlage eingesetzt. „Die Umstellung der Anlage auf Öl ist technisch nicht erprobt und riskant“, so Frommwald.

Bei der AMAG ist Gas nicht wegzudenken. (Bild: AMAG)
Bei der AMAG ist Gas nicht wegzudenken.

Linz AG startete mit Tests rund um Heizöltanklager
Während die Voest mit dem eigenständigen Einspeichern von Gas im Mai begonnen hat und einen Vollbetrieb in Österreich so für drei Monate aufrechterhalten kann, sind viele Firmen derzeit in totaler Alarmbereitschaft. So bezieht etwa Aluminiumerzeuger AMAG zwei Drittel seiner Energie aus Gas. Und wenn das nicht mehr fließt? „Kurzfristig geht ein Umrüsten auf Öl technisch nicht – das sind nicht nur ein paar Schrauben, die zu tauschen sind“, so Leo Pöcksteiner, Sprecher der Ranshofener.

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Wollen wir Heizöl wieder als Brennstoff für die Ziegelproduktion verwenden, ist die Investition in ein neues Brenn- und Steuerungssystem notwendig - eine Umsetzung kurzfristig ist unmöglich.

Stefan Leitl, Geschäftsführer der Bauhütte Leitl-Werke

Molkerei arbeitet mit Hochdruck an Umstellung
Die Bauhütte Leitl-Werke in Eferding arbeitet unter Hochdruck daran, den Erdgas-Einsatz pro gebranntem Ziegel zu reduzieren. Aber ganz weglassen? Vorerst undenkbar. Auch bei der Berglandmilch ist das so. Aber: Die Käserei in Wörgl ist immerhin bereits seit mehr als 15 Jahren komplett auf Hackschnitzel umgestellt, in Feldkirchen bei Mattighofen sollen bis Jahresende Hackschnitzel Gas ersetzen.

Auch in der Landwirtschaft geht’s nicht „ohne“: Zur Trocknung von Mais und Co. wird Gas benötigt. (Bild: Scharinger Daniel)
Auch in der Landwirtschaft geht’s nicht „ohne“: Zur Trocknung von Mais und Co. wird Gas benötigt.

Die Energieversorger bringen sich in Stellung: Die Linz AG verfügt über ein gefülltes und nachfüllbares Heizöltanklager, auf das zurückgegriffen werden kann. Eine probeweise Inbetriebnahme fand bereits statt. Weitere Tests sind geplant.

„Eine Umstellung über Nacht ist unrealistisch“
Unsicherheit macht sich auch in der Landwirtschaft breit. „Wenn der Bauer mit dem Kipper kommt, muss die Übernahmestelle - meist das Lagerhaus - das Getreide oder den Mais unmittelbar trocknen, sonst ist die Ernte nicht lagerfähig“, sagt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Die Trocknungsanlagen arbeiten mit Gas oder Ölbrennern. „Eine Umstellung aller Anlagen auf Öl oder andere Energieformen quasi über Nacht ist unrealistisch.“ In der Tierhaltung ist u.a. die Geflügelwirtschaft betroffen, die ständig warme Ställe für die Küken braucht.

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Viele Trocknungsanlagen für Getreide oder Mais arbeiten mit Gas oder Ölbrennern, aber auch die Verarbeitungs- und Verpackungsindustrie ist vom Gas abhängig.

Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ und Bio-Bauer in Pennewang

Auch die efko kann noch nicht „ohne“: Die Gaskessel, die zum Pasteurisieren von Essiggurkerln und Co. benötigt werden, werden aber derzeit auf Kombibrenner umgerüstet.

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