23.06.2022 13:00 |

„Krone“-Interview

Gruppeneinladung ins steirische Musikcafe Prenner

Ihr neues Album „Hallo Zukunft“ haben die steirischen Pop-Ska-Punker Musikcafe Prenner von Mitgliedern der Thaler Erfolgsband Alle Achtung veredeln lassen. Sänger Peter Music und Schlagzeuger Bernhard Einfalt geben im „Krone“-Talk Einblick in das Bandleben zu Corona, warum Pop dringend mehr Haltung braucht und wieso die Suche nach einem breiteren Publikum nicht automatisch der Ausverkauf ist.

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Der gelernte Österreicher weiß: Die besten und markantesten Geschichten beginnen im rauchigen Ambiente einer urigen Lokalität. Ob diese Geschichten gut oder schlecht ausgehen, obliegt dem Zustand der Illuminierung oder dem Auge des Betrachters. Fünf nicht mehr ganz so junge Steirer haben sich im Wildoner Musikcafe Prenner vor rund zwei Dekaden des Öfteren die Biere und Weißen Mischungen (nicht Spritzer, wir sind ja in der Steiermark!) über die „Budl“ geschupft und irgendwann einmal beschlossen, dass gemeinsames Musizieren ein netter Zeitvertreib wäre. Anfangs noch unter den Namen Barracuda bzw. Comeback For A Kiss und eher dem wilden Punk mit Emo-Zitaten zugeordnet. Politisches und Sozialkritisches war Frontmann Peter Music, Schlagzeuger Bernhard Einfalt und Co. schon früh ein Anliegen, doch wie so oft haben sich die rebellierenden Spießgesellen mit zunehmendem Alter die Hörner abgestoßen und eine gewisse Gediegenheit hielt Einzug. Sie wissen schon: Alltag, Jobs, Kinder, Schafe - wofür man seine knappe Zeit halt aufwendet, wenn der Horizont irgendwann über die nächste Samstagplanung hinausgeht.

Keine Plakativpolitik mehr
Vor rund zehn Jahren entstand mit veränderter Besetzung die Band Musikcafe Prenner, eine Hommage, eh klar, und damit hielt auch ein reiferer Sound Einzug. Die Punk-Wurzeln waren schon auf den Frühwerken „Foto am Klavier“ (2012) und „Farben“ (2014) leicht gekappt, doch Bands wie die Beatsteaks, die Ärzte oder die Toten Hosen als prominenteste Beispiele beweisen auch eindrucksvoll, dass man die Haltung bewahren kann, ohne die ewiggleichen drei Akkorde über die Saiten zu rotzen. „Wir sind jetzt sicher nicht mehr plakativpolitisch“, erklärt Sänger Music im „Krone“-Gespräch, „wir haben noch viel zu sagen und das wird immer so bleiben, aber es wird jetzt anders verpackt.“ Kultur kann gar nicht unpolitisch sein, da sind sich Music und Einfalt einig. „Es gehört sogar zu den Kernaufgaben der Kunst, gewisse Dinge anzusprechen“, so der Schlagzeuger, „als Fan tue ich mir sogar schwer mit Bands, bei denen ich in keinem Ansatz erkennen kann, wie sie ticken und ob sie reflektiert sind.“

Auf dem brandneuen Album „Hallo Zukunft“ stellt sich das Musikcafe Prenner jedenfalls bewusst breit auf. Musikalisch als auch inhaltlich. Neider und Missgünstige werden ihnen Anbiederung vorwerfen, Offene und Tolerante sehen/hören eine Band beim Reifen und Erwachsenwerden - sofern das in dieser Welt überhaupt möglich ist. Die Single „Tanzen“ etwa wirkt wie eine Ode ans ewige Kindsein. „Ein bisschen mehr Naivität und Unschuld würde vor allem gewissen Diktatoren und Patriarchen mit Geltungsdrang gut zu Gesicht stehen“, so Einfalt, „aber es geht auch darum, einfach mal den Moment zu genießen und nicht zu viel nachzudenken.“ Als der Song im April 2021 rauskam, zogen vermehrt Corona-Leugner mit Hang zu Rechtsextremismus, Antifeminismus und tiefstem Chauvinismus durch die Straßen. Die Band bekam Angst vor einem Missverständnis. „Zum Glück traf das nicht ein, wir hatten den Text auch schon vor Corona geschrieben und wollten keinesfalls Unterstützung mit den Anti-Covid-Demonstranten zeigen.“

In alle Richtungen geöffnet
„Hallo Zukunft“ strotzt nur so vor Doppelbödigkeit und Ironie, ohne aber in die Falle des beleidigten Zynismus zu tappen. Natürlich ist der Titel angesichts der Weltlage nicht als grundpositiv zu verstehen, die alle Songs ummantelnde Kernbotschaft ist aber doch eine der Hoffnung und des Miteinanders. „,Du und ich‘ ist ein völlig unpolitisches Liebeslied und wir haben einen Vater/Sohn-Song am Album. Andererseits gibt es aber auch ,Leuchtende Fahnen‘, das die Regenbogen-Farbcodes trägt und die LGBTQ-Bewegung behandelt und ,Alles geht vor die Hunde‘ erklärt sich eh von selbst.“ Zwischen Balladen, eruptiven Ausritten und sanften Momenten passt kein Blatt Papier. Produziert haben die Platte Max Bieder und Patrick Freisinger von Alle Achtung. Das erste Mal, dass das Musikcafe Prenner seinen DIY-Punkethos verlassen und ihr Schicksal mit Leuten von außen geteilt hat.

„Patrick kennen wir noch, als er mit seiner alten Truppe Days In Paradise Vorband von uns, damals Comeback For A Kiss, war“, lacht Einfalt, „damals waren wir für die Burschen die lokalen Punk-Götter.“ Viele Jahre später traf man sich im Zuge eines Online-Konzertevents wieder, beschnupperte sich erfolgreich und machte sich gemeinsam an die Arbeit. Was gemütlich begann, uferte schnell aus, weil Alle Achtung plötzlich „Marie“ veröffentlichten und während Corona zu den Durchstartern des Jahres wurden. „Max Bieder hatte den Durchbruch mit Klimstein fast schon mal geschafft, er lebt und atmet Musik seit 30 Jahren, arbeitete immer auf diesen Moment hin. Das hat uns schon mitgerissen und sicher auch inspiriert“, gibt der Schlagzeuger zu. Der Erfolg von Alle Achtung hat dem Musikcafe Prenner das endgültige Selbstvertrauen für einen mainstreamigeren Zugang zur Musik gegeben. „Wir sind an Radiosender rangegangen, mit denen wir früher nie gerechnet hätten. Plötzlich waren wir auf Rotation bei der ,Antenne Steiermark‘, ,Radio Steiermark‘ und ,88,6‘.“

Kein Gulasch mit Bier
Wer schon die Bühne mit Kettcar, Muff Potter, Großstadtgeflüster oder Jupiter Jones geteilt hat und dazu den süßen Erfolgswind der eigenen Produzenten riecht, der will naturgemäß mehr. „Wir haben die Promotion und das Booking mittlerweile ausgelagert, aber trotzdem so viel am Hut“, lacht Einfalt, „wir hätten natürlich diesen Sommer gerne öfter live gespielt, aber durch Corona wird viel nachgeholt und die Termine sind besetzt. Da hat man es als kleine Band schwer.“ Music ergänzt: „Natürlich könnten wir auch jede Woche für ein Gulasch und ein Bier spielen, aber es war schon eine bewusst getroffene Entscheidung, dass wir kleine Beisl-Konzerte, wo die Bezahlung und der Sound schlecht sind und wahrscheinlich eh keiner kommt, nicht machen. Das nimmt dir nur den Wind aus den Segeln.“ Dennoch sei „Hallo Zukunft“ ohne Kalkül entstanden. „Es steckt keine große Strategie dahinter. Dass wir auf unterschiedlichen Sendern wie ,Soundportal‘ und auch ,Radio Steiermark‘ laufen ist natürlich ein Wahnsinn. Das geht sich normalerweise nicht aus.“

Der Weg scheint aber der richtige zu sein und dem Punk und Ska wird nun eben viel Pop und ein allgemein reiferer Gestus hinzugefügt. Und wie anfangs schon angeschnitten - Pop schließt Haltung nicht aus. „Ich würde mir wünschen, dass mehr Bands und Künstler ihr breites Publikum nutzen würden, um sich zu ihrer Ideologie zu bekennen. Bei vielen weiß man ja, wie sie sozialisiert sind und dennoch herrscht da so viel Angst, den Mund aufzumachen. Da wir aus dem Punk kommen, wissen wir natürlich wofür wir stehen und was wir mitteilen. Bei unseren Konzerten wird eher niemand aufstehen und ,Heil Hitler‘ schreien.“ Und wie ist das jetzt, mit der Zukunft? Sind die Prenners doch Optimisten? „Wir trinken uns die Weltlage einfach schön“, lacht Music, „aber im Ernst, jeder kann das Leben selbst lebenswerter gestalten. Bewusster leben, gute Entscheidungen treffen und sich manchmal dort einmischen, wo es weh tut - und natürlich unser Album kaufen.“

Donauinselfest und Augartenfest
Das kann man diese Woche sogar noch zweimal machen. Am Freitag, 24. Juni, spielt die Band auf der Friedensbühne beim Donauinselfest in Wien, tags darauf auf der „Radio Soundportal Bühne“ beim nicht minder wertvollen Grazer Augartenfest. Überall dort kann man auch fair produziertes und einzigartiges Merchandise kaufen und mit viel Glück, es war oder ist nämlich limitiert, mit der Band ein Musikcafe-Prenner-Bier süffeln. Prost! Alle weiteren Infos unter www.musikcafeprenner.at.

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