E-Werk wird umgerüstet

Regierung will bei Gas-Engpass auf Kohle setzen

Politik
19.06.2022 21:53

Angesichts des drohenden Gas-Engpasses in Österreich hat Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) für Sonntagabend das kleine Krisenkabinett der Regierung einberufen. Ergebnis: Das Kraftwerk Mellach in der Steiermark wird so umgerüstet, dass im Notfall dort wieder Strom und Wärme aus Kohle statt aus Erdgas produziert werden kann. Das sei mit dem Energiekonzern Verbund vereinbart worden, wie das Bundeskanzleramt mitteilte.

Das Kohlekaftwerk südlich von Graz war das letzte seiner Art in Österreich. Im April 2020 ging eine Ära zu Ende, damals wurde die letzte Steinkohle verfeuert. Danach wurde die Anlage auf Erdgas umgerüstet, um im Notfall zur Stromerzeugung einspringen zu können. Nun gibt es quasi Kommando retour, das Kraftwerk wird wieder auf Kohle umgerüstet.

Dafür sei eine gewisse Vorlaufzeit notwendig, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Klimaschutzministerium. Es dürfte Monate dauern, bis die technischen und personellen Voraussetzungen dafür hergestellt sind und Kohle beschafft ist. Vor Ort wird man jedenfalls bereit sein: „Das Kraftwerk entspricht heute noch dem Stand der Technik“, sagte ein Standortleiter im Frühjahr 2020 zur „Krone“.

Das Turbinenhaus im Kohlekraftwerk Mellach (Bild: Sepp Pail)
Das Turbinenhaus im Kohlekraftwerk Mellach

Weniger Gas geliefert
Am Sonntagvormittag hatte die OMV gemeldet, dass aus Russland wie schon in den Tagen zuvor neuerlich etwa um die Hälfte weniger Gas nach Österreich geliefert wurde als üblich. Die Nachfrage nach Gas sei derzeit aber eher gering, fehlende Mengen könnten gut durch Zukäufe ersetzt werden, erklärte die OMV. Die Gasversorgung sei sichergestellt, die Speicher in Österreich seien bereits jetzt zu 64 Prozent befüllt.

Insgesamt hat Österreich eine Speicherkapazität von rund 95 Terawattstunden, was etwa einem Ganzjahresbedarf entspricht. Das ist eine der höchsten Speicherkapazitäten in der EU. Derzeit (Stand 15. Juni) hat Österreich rund 39 Prozent seines Jahresverbrauchs in Gasspeichern eingespeichert, so die Regierung in einer Mitteilung. Damit liege man an zweiter Stelle in der Bevorratung in der Europäischen Union.

Kanzler Nehammer und Energieministerin Gewessler wollen die Gasversorgung sicherstellen. (Bild: APA/Georg Hochmuth)
Kanzler Nehammer und Energieministerin Gewessler wollen die Gasversorgung sicherstellen.

In den Sommermonaten liege der Gasbedarf in Österreich bei rund 4 bis 6 Terawattstunden, in Wintermonaten bei 10 bis 12 Terawattstunden. Ziel ist es, bis zum 1. November 2022 die Speicher zu 80 Prozent gefüllt zu haben. Derzeit lagert in den Gasspeichern auf österreichischem Gebiet Gas mit einem Energiegehalt von mehr als 38 TWh - ohne den Speicher Haidach, der nur an das deutsche Gasnetz angeschlossen ist, sind es mehr als 33 TWh.

„Einspeicherung nach Plan“
„Bisher läuft die Einspeicherung nach Plan, jetzt geht es darum, die Reduktion des russischen Gases durch andere Quellen bzw. Lieferanten zu ersetzen, um weiterhin einen Vorrat anlegen zu können“, erklärte Kanzler Nehammer nach dem Krisengipfel am Sonntag.

Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) betonte das Ziel, die Versorgung der heimischen Wirtschaft und der Privathaushalte sicherzustellen. Man arbeite daran, „Schritt für Schritt unabhängiger von russischem Gas“ zu werden, so Gewessler.

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