22.07.2011 21:37 |

Hintergrund

Norwegen: Terror erreicht den "Hort des Friedens"

Der Terror hat nun auch den Hort des Friedens erreicht: In der norwegischen Hauptstadt Oslo wird alljährlich im Dezember der Friedensnobelpreis verliehen. Wohl auch deshalb ist die Friedenspolitik für das wohlhabende skandinavische Land eine besondere Verpflichtung. So tut sich Norwegen als Vermittler in internationalen Konflikten hervor und gehört auch zu den größten Entwicklungshilfegebern der Welt.

Die Nobelpreise wurden vom schwedischen Industriellen Alfred Nobel (1833 bis 1896) gestiftet. Seit 1901 werden die größten Errungenschaften in den Bereichen Literatur, Medizin, Physik und Chemie sowie "große und wichtige Beiträge zu Frieden und Völkerverständigung" geehrt. Als einziger Nobelpreis wird jener für Frieden in der Hauptstadt Norwegens vergeben, das Anfang des 20. Jahrhunderts noch Teil des Königreichs Schweden war. Den Friedensnobelpreis bestimmt ein fünfköpfiges Komitee, das vom norwegischen Parlament gewählt wird und dem derzeit Ex-Außenminister Thorbjoern Jagland vorsitzt.

Auch innerhalb der Weltfriedensorganisation UNO spielt Norwegen eine besondere Rolle. Mit Trygve Lie stellte das skandinavische Land von 1946 bis 1952 den ersten UNO-Generalsekretär. Er trat während des Korea-Krieges zurück, weil ihm die Vetomacht Sowjetunion wegen seines Eintretens für eine energische Rolle der Vereinten Nationen die Unterstützung entzogen hatte. Norwegen nimmt UNO-Verpflichtungen zudem ernster als andere Staaten. Es bildet mit Dänemark, Luxemburg und den Niederlanden jenen beschämend kleinen Kreis von Industriestaaten, die das vor 40 Jahren proklamierte UNO-Ziel erfüllen, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben.

Ruf des internationalen Friedensmaklers
Norwegen erwarb sich auch einen guten Ruf als internationaler Friedensmakler. So gingen die "Osloer Verträge" zwischen Israel und den Palästinensern im Jahr 1993 in die Geschichte ein. Das skandinavische Land half in den 1980er-Jahren auch bei der Beendigung des Guatemala-Konflikts und stand im Jahr 2005 Pate beim Friedensabkommen zwischen Nord- und Südsudan. Im Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen auf Sri Lanka handelte die norwegische Regierung im Februar 2002 eine Waffenruhe aus, die sich jedoch als brüchig erwies. Vier Jahre später brach der Bürgerkrieg wieder aus und wurde von der srilankesischen Regierung auf militärischem Wege durch einen Sieg über die tamilischen Befreiungstiger beendet.

Von Misserfolgen ließ sich die norwegische Regierung jedoch nicht abschrecken. Erst Anfang dieses Jahres trat sie als Vermittlerin zwischen der philippinischen Regierung und den kommunistischen Rebellen in Erscheinung. Zudem tut sich das NATO-Mitglied in der Abrüstungspolitik hervor. Die internationale Konvention zum Verbot von Streubomben, deren Inkrafttreten sich am 1. August zum ersten Mal jährt, trägt den Namen der norwegischen Hauptstadt.

Militärexporte und hohe Rüstungsausgaben
Im kürzlich von der UNO veröffentlichten "Globalen Friedensindex" liegt Norwegen dennoch "nur" auf dem neunten Platz der friedliebendsten Nationen. Grund dafür sind die Rüstungsimporte und hohe Militärausgaben des NATO-Landes sowie seine Verwicklung in internationale Konflikte wie etwa in Afghanistan.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).