„Krone“-Kommentar

Was macht eigentlich der Bildungsminister?

Kolumnen
08.04.2022 06:00

Als der Gesundheitsminister noch Wolfgang Mückstein hieß, war dieser so lange auf Tauchstation, dass die Frage, was der Minister eigentlich beruflich mache, sich rasch verbreitete. Die Frage hat nun Martin Polaschek, der seit Anfang Dezember 2021 verantwortlich für das Bildungsressort ist, geerbt.

Nach dem unfreiwilligen Abgang von Heinz Faßmann gibt es im Kabinett eine klare Devise: Nur keine Wellen und ja nicht zu viel sagen. Oder, wie ein Insider aus dem Ministerium formuliert: „Durchtauchen und nichts machen.“ Faßmann habe manchmal auch über seine Kompetenzen hinaus entschieden, jetzt passiere genau das Gegenteil, ist zu hören.

Sehr viele Projekte stehen jetzt still
Genau dies wird auch aus den Bundesländern berichtet: Den Übergang von Faßmann zu Polaschek habe man extrem gemerkt. Der neue Minister sei zwar dialogorientiert, aber es gehe nichts voran, viele Projekte, wie etwa die Lehrplanreform, stehen still. „Es ist alles viel langsamer und träger“, so ist zu vernehmen.

Bildungsminister Martin Polaschek versucht, nicht aufzufallen, das sorgt für Kritik. (Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)
Bildungsminister Martin Polaschek versucht, nicht aufzufallen, das sorgt für Kritik.

Gewerkschaft probt den Widerstand
Noch werden Kritik und Unmut meist hinter vorgehaltener Hand und vor allem anonym geraunt, doch es gibt auch bereits offenen Widerstand gegen den Unterrichtsminister. Die Unabhängige Lehrergewerkschaft fordert den Rücktritt Polascheks, Schüler und Pädagogen gingen schon auf die Straße, Direktoren formulieren in einem offenen Brief einen Hilferuf und beklagen, dass sie zunehmend mit administrativen Tätigkeiten beschäftigt seien, die auch Hilfskräfte ausüben könnten.

„Wir kriegen den Minister gar nicht mit“
Die Kritik wird lauter, „alle beginnen sich zu wundern“, berichten Mitarbeiter im Ministerium. Martin Polaschek werde von der neuen Kabinettschefin, die in der ÖVP sehr gut vernetzt ist, abgeschirmt. Der Minister habe die eigenen Leute noch nicht getroffen, schildern Beschäftigte am Wiener Minoritenplatz. Und: „Wir kriegen den Minister gar nicht mit, wir arbeiten in den Nebel hinein.“ Viele fragen sich nun, wie lange das Durchtauchen gut gehen kann.

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