12.06.2011 11:45 |

Epidemie geht weiter

Experte: "Massive Folgeschäden für EHEC-Erkrankte"

Während sich die Beweiskette im "EHEC-Krimi" langsam, aber sicher schließt, erwartet der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach massive Folgeschäden für die deutschen EHEC-Erkrankten. "Etwa 100 Patienten sind so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang zur Dauerdialyse müssen", sagte Lauterbach der Zeitung "Bild am Sonntag". Auf dem gesperrten Biohof in Niedersachsen wurde indes bei drei Mitarbeiterinnen der gefährliche EHEC-Keim festgestellt.

Der Seuchenforscher Lauterbach warnt vor weiteren Infektionswellen in Deutschland: "EHEC-Erreger sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland wird es künftig immer wieder zu EHEC-Ausbrüchen kommen."

Den Meldeweg von EHEC-Erkrankungen per Post sieht Lauterbach als eine Ursache für die starke Ausbreitung der Krankheit an und kündigt eine Untersuchung im Gesundheitsausschuss des Bundestags an. "Die Kliniken müssen in Zukunft jeden EHEC-Fall direkt per Mail an das Robert-Koch-Institut melden", so Lauterbach.

"Meldeweg dauert viel zu lang"
Die bisherige Meldekette vom Gesundheitsamt vor Ort über das Landesgesundheitsamt an das Robert-Koch-Institut dauere mindestens eine Woche. "Viel zu lang, da breitet sich der EHEC-Erreger aus. Wir werden im Gesundheitsausschuss untersuchen, wie viele Erkrankungen durch eine elektronische Meldepflicht hätten verhindert werden können", so Lauterbach.

Auch der deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr sprach sich für technische Verbesserungen im Meldeverfahren für Seuchenfälle aus. Bahr sagte der "Bild": "Nach Abklingen des EHEC-Ausbruchs werden Länder und Bund gemeinsam die Arbeit bewerten. Mir ist dabei der Informationsfluss zwischen den Beteiligten besonders wichtig. Das Meldeverfahren gehört auf die Tagesordnung. Ich kann nicht verstehen, warum die heutigen technischen Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft werden. Hier muss die Kommunikation schneller werden." Forderungen nach einer zentralen Stelle zur Seuchenbekämpfung erteilte der FDP-Politiker eine Absage.

Beweiskette im schließt sich langsam
Unterdessen hat sich der EHEC-Verdacht gegen Sprossen aus Bienenbüttel weiter erhärtet. Drei Mitarbeiterinnen des gesperrten Biohofes in Niedersachsen tragen den aggressiven Darmkeim in sich. Außerdem steht jetzt definitiv fest: Auf dem Gemüse ist genau der Erreger, welcher für die Epidemie verantwortlich ist. Dieser kostete bisher mehr als 30 Menschen das Leben.

Am Freitag war der lebensbedrohliche EHEC-Typ erstmals an Sprossengemüse des niedersächsischen Betriebs nachgewiesen worden. Ein Familienvater aus Königswinter bei Bonn hatte die Sprossen aus dem Müll geholt und den Behörden übergeben, nachdem seine Frau und eine Tochter erkrankt waren.

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