Hoher Rufschaden

Bio-Skandal erschüttert Traditionsweingut Cobenzl

Wien
21.01.2026 11:00

Als Bio vermarktet, aber unter Chemieeinsatz konventionell hergestellt: Wurden Konsumenten getäuscht? Ein Skandal erschüttert das städtische Weingut am Cobenzl. Die Rathaus-Opposition schäumt. Der Ruf ist – gelinde gesagt – schwer beschädigt. 

Erst 2024 brüstete sich das stadteigene Traditionsweingut Cobenzl damit, dass ihre Weine ab Jahrgang 2023 das Bio-Gütesiegel tragen dürften. Mit dem Gütesiegel dürfte es das Weingut aber nicht so ernst genommen haben, berichtete der „Kurier“ am Mittwoch. Rund 60 Prozent, also in etwa die Hälfte, sollen mit chemischen Hilfsmitteln bewirtschaftet worden sein – mit weitreichenden Konsequenzen für Ruf und Finanz.

Noch immer sollen Flaschen des Jahrgangs 2024 mit Bio-Etikette in Handelsregalen stehen. Wurden Konsumenten getäuscht. 

Eine Anfrage des Mediums an die zuständige MA 49 (Forst- und Landwirtschaftsbetrieb) ergab: Im Jahr 2024 seien aus „betriebsstrategischen Gründen“ rund 30 Hektar am Bisamberg auf konventionelle Art und Weise bewirtschaftet worden. Die sollte aber nur vorübergehend sein. Die Rebflächen wären bereits wieder „in der Umstellungsphase auf bio“. 

Biowein, der keiner ist: Der Schaden für das Traditionsweingut dürfte beträchtlich sein.
Biowein, der keiner ist: Der Schaden für das Traditionsweingut dürfte beträchtlich sein.(Bild: Eva Manhart)

„Beispielloser Weinskandal“
Die Reaktionen der Rathaus-Opposition fallen entsprechend hart aus: Die FPÖ spricht von einem beispiellosen Weinskandal: „Das ist nicht nur unglaublich, sondern auch beschämend für den Wiener Weinbau und ein Schlag ins Gesicht der Konsumenten“, so Landtagsabgeordneter Michael Stumpf.

Die Grünen sehen einen Missbrauch des Bio-Siegels: „Wenn eines der größten städtischen Weingüter Flächen konventionell bewirtschaftet, während es sich als Bio-Vorzeigebetrieb präsentiert, dann ist das nicht nur ein Imageschaden für das Weingut Cobenzl, sondern auch ein Vertrauensverlust in die gesamte Bio-Zertifizierung“, erklärt Tina Wirnsberger, Umwelt- und Ernährungssprecherin der Grünen Wien.

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Das ist nicht nur ein Imageschaden für das Weingut Cobenzl, sondern auch ein Vertrauensverlust in die gesamte Bio-Zertifizierung.

Tina Wirnsberger, Umwelt- und Ernährungssprecherin der Grünen Wien

Die ÖVP fordert volle Aufklärung: Der aktuelle Fall reihe sich in eine Serie von Vorgängen ein, bei denen es im Bereich der MA 49 wiederholt an Transparenz und nachvollziehbarer Kommunikation mangle, so Umweltsprecherin Elisabeth Olischar. Und weiter: „Überteuerte Werbekampagnen, die auch vom Rechnungshof gerügt werden sowie eine undurchsichtige Firmenpolitik. Überall wird versucht, seitens der Stadtregierung zuzudecken“, so Olischar.

Hinter vorgehaltener Hand wurde schon länger über die Vorgänge am Cobenzl spekuliert. Im Vorjahr zog sich Thomas Podsednik, der mehr als 35 Jahre das Weingut geleitet hat, plötzlich zurück und ging zur Konkurrenz. Auch der langjährige Leiter der MA 49 (Forstwirtschaft) wechselte die Dienststelle innerhalb des Magistrats. Für Außenstehende kam das überraschend. 

Das sagt die MA 49
Die MA 49 hält in einer Aussendung fest: „Im Rahmen einer standardmäßigen strengen Qualitätskontrolle war für die MA 49 der Einsatz chemischen Düngers nicht auszuschließen, was sogleich formal richtig der Landwirtschaftskammer Wien sowie der BIO-Zertifizierungsstelle gemeldet wurde. Damit konnte rechtzeitig sichergestellt werden, dass weder Wein falsch bezeichnet bzw. etikettiert noch als BIO-Wein in den Handel gebracht wurde.“

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