WK-Experten in Sorge

Baubranche in Tirol blickt in ein unsicheres Jahr

Tirol
31.03.2022 11:00

Über volle Auftragsbücher freut sich die Tiroler Baubranche. Diese gab am Mittwoch einen Rückblick auf 2021 und ein Ausblick auf das heurige Jahr. Hierfür wurden freilich auch die Unternehmen befragt. Allerdings fand die Umfrage bereits im Jänner und Februar statt, weswegen die Situation durch den Ukraine-Krieg nicht in das Stimmungsbild eingeflossen ist.

Laut Manfred Lechner, Sprecher der Tiroler Bauindustrie, „bewerteten die Befragten das vergangene Jahr nach Schulnoten mit einem knappen Gut. Für das heurige Jahr waren die kleinen Betriebe eher pessimistisch, die größeren optimistisch gestimmt“.

Die Auftragslage für 2022 bewerteten 20,8 Prozent mit einem „Sehr gut“, 54,9 Prozent mit einem „ Gut“. Lediglich 3,5 Prozent gaben ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“.

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Zwar erwarten wir uns ein Plus, dieses wird durch die steigenden Energie- und Rohstoffpreise aber wohl sehr moderat ausfallen.

Manfred Lechner, Sprecher der Tiroler Bauindustrie

Auftragsvolumen von 1,79 Milliarden Euro erwartet
Seitens der Auftraggeber gab es im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 2,1 Milliarden Euro. Für dieses Jahr erwartet man sich eines von 2,25 Milliarden (nominell). Auf der Seite der Auftragnehmer wurde ein Volumen von 1,67 Milliarden Euro verzeichnet, für heuer wird eines von 1,79 Milliarden erwartet. „Zwar erwarten wir uns ein Plus, dieses wird durch die steigenden Energie- und Rohstoffpreise aber wohl sehr moderat ausfallen“, meint Lechner dazu.

Fixpreise als große Herausforderung
Anton Rieder, WK-Vizepräsident und Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes, betont, dass „wir mit großem Optimismus in das neue Jahr gestartet sind“. Dieser Optimismus wurde am 24. Februar mit dem Angriff Russlands freilich schlagartig zunichte gemacht.

„Wir sehen uns mit Tages- und Wochenpreisen konfrontiert, müssen jedoch zu Beginn eines Projektes einen Fixpreis festlegen“, beklagt Rieder. Er erwartet sich daher im schlimmsten Fall ein sehr schlechtes Jahr.

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Der Kostendeckel des Landes kann unter den derzeitigen Umständen nicht eingehalten werden.

Anton Rieder, WK-Vizepräsident und Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes

„Dramatische Folgen für den sozialen Wohnbau“
Dramatische Folgen könnte es für den sozialen Wohnbau geben. „Der Kostendeckel des Landes kann unter den derzeitigen Umständen nicht eingehalten werden. Manche Projekte dürften zum Erliegen kommen.“ Der Innungsmeister fordert die Politik daher auf, den Kostendeckel um 15 bis 20 Prozent zu erhöhen. „Die Mittel hierfür wären da.“

Mehr Initiativen für Kampf gegen Fachkräftemangel
Landesbaudirektor Christian Molzer beklagt darüber hinaus auch den Fachkräftemangel, der „in nahezu allen Betrieben ein großes Problem darstellt“. Es brauche daher Initiativen, um junge Leute für die Baubranche zu begeistern. Dies gelte sowohl für Fachkräfte auf den Baustellen als auch im Planungsbereich.

Apropos Planung. Hier sprechen sich alle drei Experten für die Möglichkeit der digitalen Baueinreichung aus.

Fakten

Mehr Lehrlinge als 2020
Die 1,67 Milliarden Euro, die 2021 an die Bauunternehmen gingen, verteilen sich wie folgt: Im öffentlichen Wohnbau wurden 405 Millionen Euro gezählt, in Sanierungen im Wohnbau flossen 135 Millionen. An den Hochbau gingen 323 Millionen Euro. Der Verkehrswegebau bilanziert mit 328 Millionen. Im Tunnelbau waren es 197 Millionen Euro, der restliche Tiefbau zählte 288 Millionen. Im Bauhauptgewerbe waren im vergangenen Jahr 489 Lehrlinge tätig. 349 als Maurer/Hochbauer, 67 als Tiefbauer, acht als Schalungsbauer/Betonbauer und 65 befanden sich in einer Doppellehre. Zum besseren Vergleich: Im Jahr 2020 wurden 425 Lehrlinge gezählt.

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