14.03.2022 13:49 |

Stornos, Umbuchungen:

Heimischer Tourismus bekommt Krieg zu spüren

Den Ukraine-Krieg nahe Österreichs bekommt auch der heimische Tourismus zu spüren. Buchungen bleiben zum Teil aus und die Energiepreise explodieren. Die Alpenrepublik wird vor allem von potenziellen Gästen aus entfernteren Regionen als zu nahe am Konfliktherd empfunden. Hinzu kommen die hohen Corona-Infektionszahlen.

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„Die Amerikaner haben weniger Flugbuchungen, auch die asiatischen Gäste bleiben aus“, berichtete Hotelierssprecher Martin Stanits. Und fügte hinzu: „Generell haben wir ja überhaupt zwei Jahre Krise mit Corona und dann fehlen weiter die Gäste“, erklärte der Vertreter der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV).

Energiekosten als weiterer Dämpfer
Die hochschießenden Energiekosten sind ein weiterer Dämpfer für die Betriebe, vor allem für jene mit Spa-Bereich. „Man sieht die Preisentwicklung nicht nur an der Zapfsäule, sondern das spüren auch die Hoteliers - das ist ein Wahnsinn“, so Stanits. Den Zeitpunkt der von der Bundesregierung geplanten ökosozialen Steuerreform sehe die Branchenvertretung daher „kritisch“, merkte er an.

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Man sieht die Preisentwicklung nicht nur an der Zapfsäule, sondern das spüren auch die Hoteliers - das ist ein Wahnsinn.

Hotelierssprecher Martin Stanits

Knapp drei Wochen nach der Invasion der Russen in die Ukraine schlägt sich die humanitäre Katastrophe vor Österreichs Haustür jedenfalls auch bereits auf die Buchungslage vieler heimischer Beherbergungsbetriebe nieder. Insbesondere trifft das die Wiener Stadthotellerie, die ohnehin seit Beginn der Pandemie am Boden liegt und stark von Touristen aus Fernmärkten abhängig ist.

Die Wiener Incoming-Branche habe - nach bereits zwei Jahren Geschäftsausfall durch die Pandemie - „der Russland-Ukraine-Konflikt mit voller Wucht getroffen“, berichtete der Obmann der Fachgruppe der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Wien, Gregor Kadanka, am Montag. Die Wiener Incoming-Reisebüros hätten „nur noch Stornos und Umbuchungen“. In den ersten Wochen des Jahres seien erste Buchungen aus den internationalen Märkten zu verzeichnen gewesen. „Nun ist wieder alles anders.“

„Krieg in Europa“
Gerade für Gäste aus den USA, Südamerika, Kanada, Asien und Australien herrsche „Krieg in Europa“, hielt Kadanka fest. „Sie empfinden die Entfernung von Wien zur Ukraine als sehr gering, sind verunsichert und verängstigt.“ Und tatsächlich ist die Distanz der Bundeshauptstadt zur Westukraine mit jener zu Vorarlberg vergleichbar. Verstärkt werde auf Gruppenreisen im eigenen Land zurückgegriffen oder die Reisenden wählten „sichere“ Destinationen - „abseits von Europa“, so Kadanka.

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„Sie empfinden die Entfernung von Wien zur Ukraine als sehr gering, sind verunsichert und verängstigt.

Gregor Kadanka, Obmann der Fachgruppe der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Wien, über Gäste aus den USA, Südamerika, Kanada, Asien und Australien

„Neue Buchungen werden derzeit überhaupt nicht getätigt“
„Reisen werden storniert oder längerfristig umgebucht. Neue Buchungen werden derzeit überhaupt nicht getätigt.“ Selbst bei einem Ende des Krieges wären die potenziellen Gäste noch einige Zeit verunsichert, ist sich der Reisebüro-Sprecher sicher. Hinzu kämen weitere Faktoren wie die hohe Inflation und steigende Kerosinpreise. Und die Pandemie. Im Jahr 2019, vor Beginn der Coronakrise, waren beispielsweise noch fast 2,05 Millionen Nächtigungsbuchungen in Österreich auf Amerikaner entfallen, 2021 waren es nur noch etwas weniger als 375.400 - ein Minus von 82 Prozent.

Sputnik V nicht anerkannt
Doch auch der Wegfall russischer und ukrainischer Gäste schmerze die Branche besonders, betonte Hotelierssprecher Stanits. Schon in der Pandemie gingen die Urlauberzahlen spürbar nach unten - die Touristen aus dem Osten hätten nicht nur im Lockdown gefehlt, „sondern auch danach, weil Sputnik V in Österreich nicht als Impfstoff anerkannt wird - das führt zu einem De-facto-Einreiseverbot für osteuropäische Gäste“, kritisierte er.

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Weil Sputnik V in Österreich nicht als Impfstoff anerkannt wird, führt das zu einem De-facto-Einreiseverbot für osteuropäische Gäste.

Gregor Kadanka

Auch wenn der Anteil der Urlauber aus den beiden osteuropäischen Ländern insgesamt nicht so hoch ist, wirkt sich deren Fernbleiben auf eine ganze Reihe von Destinationen überproportional stark aus. Es gibt einige Hotspots, auf die sich die Buchungen konzentrierten - dazu gehören beispielsweise Wien, Mayrhofen im Zillertal, Sölden, Ischgl und Zell am See. Letzteres ist vor allem bei arabischen Gästen sehr beliebt, aber auch bei russischen. Bei den Sommergästen war Innsbruck laut Stanits besonders gut gebucht.

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