01.03.2022 06:00 |

Nukleareinsatz-Sorge

Militär-Experte: „Der rote Knopf ist weit weg“

Dass Wladimir Putin die Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt hatte, sorgte für besorgte Gesichter in Europa. Militär-Experte Walter Feichtinger sieht Angst unbegründet.

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Laut Feichtinger gibt es vier „Eskalationsstufen“, bis es tatsächlich zu einem Nukleareinsatz kommt. „Und wir sind gerade bei Stufe eins. Das heißt, dass wir noch nicht mit einem unmittelbaren Nukleareinsatz rechnen müssen.“ Es sei eher eine Botschaft nach außen gewesen, auch natürlich an die Ukraine. „Aber vom Drücken des berühmten roten Knopfs sind wir noch weit entfernt. Die Nuklearstreitkräfte wurden nur vorgewarnt.“

Bis zur nächsten Stufe, wo es um die Definition von Zielen geht, ist es noch ein weiter Weg. Danach würde entschieden, welche Systeme eingesetzt werden. Atomwaffen sind in der sogenannten Triade eingeordnet, also zu Wasser, zu Land oder in der Luft. Erst in der letzten Stufe wären Atomwaffen programmiert und abschussbereit.

Kremlchef Putin will die Ukraine erpressen
Was Feichtinger überrascht, ist der „frühe Zeitpunkt einer derartigen Eskalation“. Der Experte vermutet, dass das auch mit den Friedensverhandlungen zu tun hat, die zeitgleich begannen. Er ortet einen „Erpressungsversuch“ Putins. Für Europa selbst sieht Feichtinger keine Gefahr, keinen Grund zu Besorgnis wegen eines nuklearen Angriffs.

Dennoch muss auch er gestehen, „überrascht“ gewesen zu sein. „Wir müssen uns von unserer Rationalität verabschieden und das Ganze mit anderen Augen betrachten.“ In Russland ist die Angst vor dem Westen und das Denken „Alle gegen uns“ indoktriniert. „Ein zweites Mal sollten wir uns nicht überraschen lassen.“ Von Putin selbst sagt er: „Wenn es ihm darum gegangen ist, in die Geschichte einzugehen: Das wird ihm sicher gelingen. Die Frage jetzt nur noch: wie?“ 

Atomwaffen sind nicht gleich Atomwaffen
Der Kalte Krieg ist bei vielen unserer Leser noch präsent. Damals pendelten sich die beiden Großmächte USA und Sowjetunion in der „mutual assured destruction“ ein, also der „garantierten gegenseitigen Zerstörung“. Jeder besaß genügend weitreichende Atomraketen, um einander gegenseitig auszulöschen. Doch Kernwaffen gab und gibt es seit Jahrzehnten in unterschiedlichsten Größen, sie werden grob in „strategisch“ und „taktisch“ eingeteilt:

  • „Strategisch“ meint, was wir uns klassisch unter Interkontinentalraketen vorstellen, die Washington D.C. oder Moskau einäschern.
  • „Taktisch“ eingesetzte Kernwaffen sollen nur auf kleinem Raum wirken - etwa auf einem umkämpften Gefechtsfeld. Militärstrategen, mit denen die „Krone“ sprach, rechnen derzeit nicht damit, dass Putin dem Einsatz einer der zwei Varianten zustimmt.
Clemens Zavarsky
Clemens Zavarsky
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