Sa, 18. August 2018

Keine Förderungen

15.05.2011 13:20

Studentenheime werden wesentlich teurer

"Entweder man sperrt das Heim zu, oder man macht es für die Studenten teurer." Nur diese zwei Optionen, meint Bernhard Tschrepitsch von der Akademikerhilfe, wird es in Zukunft bei renovierungsbedürftigen Studentenwohnheimen geben. Die Streichung der Förderung für Neubauten und Generalsanierungen von Studentenwohnheimen durch das Wissenschaftsministerium im Vorjahr trifft laut den österreichischen Heimträgern vor allem die Studenten selbst.

Die Hoffnung, der neue Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle würde das Auslaufen der Studierendenheimförderung aufheben, bleibt unerfüllt: In einer Stellungnahme hält Töchterle daran fest und denkt stattdessen "neue Wege" an, wonach nicht die Heime, sondern sozial bedürftige Studenten direkt unterstützt werden sollen.

Für die Österreichische HochschülerInnenschaft ist das lediglich eine "gängige Beschwichtigungsvariante". Durch das Wegfallen der Zuschüsse, die bisher laut Wissenschaftsministerium bei Neubauten bis zu ein Drittel (maximal 15.000 Euro pro Heimplatz) und bei Sanierungen bis zu zwei Drittel (maximal 11.000 Euro pro Heimplatz) der Gesamtkosten ausmachten, sind Heimträger gezwungen, das Geld für notwendige Renovierung oder Errichtung mit Krediten zu finanzieren. "Und das führt zu einer Verteuerung der Heimplätze bis zu 30 Prozent, was direkt die Studenten trifft", so Tschrepitsch. Die Akademikerhilfe ist mit 20 Wohnheimen österreichweit der größte der 20 Heimträger, die insgesamt derzeit Platz für mehr als 30.000 Studenten bieten.

Studenten werden Kosten tragen müssen
Durch die Investitionskostenzuschüsse des Bundes (den Rest tragen die Länder, die Heimträger und in einzelnen Fällen auch Städte) konnten sie bisher günstiger bauen, was sich in niedrigen Benützungsentgelten (also Mieten) für die Studenten niedergeschlagen hat. Sanierungsrücklagen durften die gemeinnützigen Vereine nicht bilden - diese fehlen nun für anstehende Investitionen. "Fakt ist, dass wir in den nächsten Jahren durchaus Sanierungsbedarf haben und wir nicht wissen, wie wir das anstellen sollen", meint Tschrepitsch. So gehe es auch anderen Heimträgern, die Gebäude betreuen, die bis zu 40 Jahre alt sind "und dringend renoviert werden müssen".

Das ÖH-Sozialreferat rechnet als Folge für die Studenten mit 60 bis 90 Euro Mehrkosten pro Monat. Derzeit koste ein Heimplatz österreichweit durchschnittlich 245 Euro, für Wohnungen geben Studenten durchschnittlich 325 Euro monatlich aus. "Die jetzige Differenz von 80 Euro besteht dann nicht mehr und dann ist man bei Studierendenwohnheimen auf dem Niveau des freien Wohnungsmarkts", heißt es vonseiten der ÖH. Dabei sei der Hauptgrund jener knapp zehn Prozent der Studenten, die in Wohnheimen leben, der verhältnismäßig günstige Platz. "Kurzfristig sind wir mit gewaltig ansteigenden monatlichen Wohnkosten konfrontiert. Langfristig läuft das Ganze auf die Verknappung günstigen Wohnraums hinaus, weil sich die Heimträger überlegen müssen, ob sie ein Heim renovieren oder zusperren."

Budget 2011 umfasst elf Millionen Euro
Bereits Ende Juni vergangenen Jahres hatte die ehemalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl beschlossen, die Förderung für die Neuerrichtung von Studentenheimen zu streichen. Bei der Budgetklausur in Loipersdorf im Herbst wurden zudem die Zuschüsse für Sanierungen gekappt. Alle bis dahin abgesegneten Anträge werden laut Wissenschaftsministerium wie vereinbart umgesetzt. Für 2011 steht dafür ein Budget von elf Millionen Euro, für das kommende Jahr 8,7 Millionen Euro zur Verfügung. Bezüglich der "Hand voll Anträge", die seitdem eingegangen seien, ist man "im laufenden Kontakt mit den Heimträgern", heißt es.

Heimbetreiber werden  künftig ummdenken müssen
Unverständnis vonseiten der Heimträger und der ÖH herrscht vor allem bezüglich der Kostendimension. "Die Förderung, die der Bund in diesem Bereich für ganz Österreich zur Verfügung gestellt hat, hat sich jährlich um rund zehn Millionen Euro bewegt", so Tschrepitsch von der Akademikerhilfe. "Das ist bezogen auf das Gesamtbudget praktisch nichts." Er ortet nun die Gefahr, dass "sich komplett neue Anbieter auf den Markt stürzen", die nicht gemeinnützig arbeiten. "Wenn wir beispielsweise in Wien Preise bis zu 400 Euro pro Zimmer haben, geraten wir auch noch in den Konkurrenzkampf mit Genossenschaftswohnungen", so Martin Strobel, stellvertretender Generalsekretär der 16 Heime betreibenden Wirtschaftshilfe der Arbeiterstudenten Österreichs.

Die österreichweit 20 Heimträger müssten laut Tschrepitsch zukünftig "stärker privatwirtschaftlich agieren". Bisher nicht sanierungsbedürftige oder noch mit Bundeszuschüssen renovierte Heime werden vorläufig günstig bleiben, während jene, die die Sanierung selbst tragen müssen, "schweineteuer werden". "Das ist von Haus zu Haus verschieden", so Josef Wimmer, stellvertretender Geschäftsführer der 20 Heime betreibenden Österreichischen Jungarbeiterbewegung. "Aber Handlungsbedarf herrscht überall."

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