Mo, 18. Juni 2018

"Keine Einwände"

11.05.2011 13:09

Bin-Laden-Witwen: Pakistan gewährt USA Befragung

Pakistan hat im Streit um eine Befragung der Witwen von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch US-Ermittler eingelenkt. Natürlich werde dies erlaubt, sagte Innenminister Rehman Malik dem US-Sender CNN auf eine entsprechende Frage. "Wir haben keine Einwände dagegen, Informationen mit den USA zu teilen." Auf die Frage, ob Pakistan erwogen habe, den Zugang zu verweigern, sagte Malik: "Warum sollten wir das tun? Wir kämpfen einen Krieg als Partner."

Der Sender CBS hatte am Dienstag über eine Vereinbarung berichtet, wonach US-Beamte die Frauen persönlich vernehmen und nicht nur Fragen einreichen dürfen. Pakistanische Regierungsstellen erklärten aber danach, es sei noch nichts entschieden. "Die USA haben bisher nicht offiziell beantragt, Zugang zu Bin Ladens Witwen zu bekommen", sagte Außen-Staatssekretär Salman Bashir am Dienstag. "Wir werden das Thema erwägen, wenn sie einen formalen Antrag stellen."

Stabilisierung der Beziehungen
Die Erlaubnis eines Verhörs durch US-Ermittler könnte zu einer Stabilisierung der angeschlagenen Beziehungen zwischen den USA und Pakistan beitragen. Pakistan ist von milliardenschweren US-Finanzhilfen abhängig und steht unter Druck, den Amerikanern den jahrelangen unbehelligten Aufenthalt Bin Ladens in dem Land zu erklären.

Zwei der Frauen stammten aus Saudi-Arabien, die dritte aus dem Jemen, berichtete CNN unter Berufung auf US-Quellen. Sie waren während der Erstürmung von Bin Ladens Anwesen vor einer Woche festgenommen worden und befinden sich in pakistanischem Gewahrsam. Die Regierung in Islamabad bemüht sich, die Witwen und ihre Kinder in ihre Heimatländer zurückzuführen.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, erklärte, die USA seien "sehr interessiert daran, Zugang zu den drei Ehefrauen zu erhalten, ebenso zu Informationen oder Material, das Pakistanis sammelten, nachdem die US-Soldaten abgezogen waren". Die Vereinigten Staaten "hoffen und erwarten", in diesen Fragen voranzukommen.

Helfer Bin Ladens sollen entlarvt werden
US-Präsident Barack Obama will endlich wissen, wer die Helfer von Bin Laden in Pakistan waren. "Wir glauben, dass es ein Unterstützernetzwerk für Bin Laden in Pakistan gegeben hat", erklärte er am Sonntagabend in einem Fernsehinterview. Pakistans Premierminister Yousuf Raza Gilani räumte Fehler ein. Die Sicherheitsbehörden hätten es nicht vermocht, den Aufenthaltsort Bin Ladens in der Garnisonsstadt Abbottabad ausfindig zu machen, sagte Gilani am Montag. "Aber das ist nicht nur unser eigenes Versagen, sondern das Versagen aller Geheimdienste dieser Welt."

Das Haus in dem pakistanischen Ort Abbottabad sei nach bisherigen US-Kenntnissen eigens zu dem Zweck gebaut und abgesichert worden, um Bin Laden dort zu verstecken. Unklar sei, ob Bin Ladens Helfer aus dem Kreis der pakistanischen Regierung stammten, hieß es in dem Interview des Senders CBS. "Das ist etwas, was wir untersuchen müssen, und noch wichtiger: was die pakistanische Regierung untersuchen muss." Islamabad habe signalisiert, an der Aufklärung ein starkes Interesse zu haben. Dies sei jedoch keine Frage von drei oder vier Tagen. "Es wird uns einige Zeit kosten, die Geheiminformationen auszuwerten, die wir vor Ort sammeln konnten", sagte Obama.

Gilani dementiert Verwicklung des Geheimdienstes
Pakistans Premier Gilani wies Spekulationen über eine mögliche Verwicklung des pakistanischen Geheimdienstes ISI oder anderer Stellen zurück. ISI und Armeeführung hätten das volle Vertrauen und die Unterstützung der Regierung, sagte der Premier. Zudem habe der Kampf gegen den Terrorismus "nationale Priorität".

Vor dem Parlament kritisierte der Premier, dass die US-Aktion ohne Rücksprache mit den Pakistanis abgelaufen sei. Damit hätten die USA die staatliche Souveränität seines Landes verletzt. Gleichzeitig warnte er vor weiteren Alleingängen dieser Art. Sollten strategisch wichtige Einrichtungen (wie etwa die Atomanlagen) ins Visier geraten, habe Pakistan das Recht, "mit aller Macht zurückzuschlagen". "Niemand sollte die Entschlossenheit und die Fähigkeiten der Nation und der Streitkräfte unterschätzen, unsere Heimat zu verteidigen", so Gilani.

Auszahlung von Bin-Laden-Kopfgeld unwahrscheinlich
Indes zeichnet sich ab, dass das Millionen-Kopfgeld für Hinweise zur Ergreifung von Bin Laden wohl nicht ausgezahlt wird. "Soweit ich weiß, hat niemand gut unterrichtet gesagt: 'Osama bin Laden wohnt hier in Abbottabad, in der Nummer 5.730, in der Green Avenue'", sagte Sprecher Carney am Montag in Washington. Die von der US-Regierung ausgelobte Belohnung werde nicht gezahlt, wenn jemand die Fahnder "zufällig" auf die richtige Spur bringt, erklärte er weiter.

2001 hatte das US-Außenministerium 25 Millionen Dollar für Informationen über den Verbleib des Al-Kaida-Chefs angeboten. Drei Jahre später hatte die damalige Senatorin und heutige Außenministerin Hillary Clinton die Verabschiedung eines Gesetzes durchgesetzt, dass das Außenministerium autorisiert, die Belohnung auf bis zu 50 Millionen Dollar anzuheben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.