27.01.2022 12:46 |

Mobiles Internet

So werden Nutzer im Staufall vom Anbieter gebremst

Wenn im mobilen Internet der Download-Balken stockt oder der Video-Call ruckelt, dann liegt das zumeist an einer Überlastung: Wegen zu starker Nachfrage kommt es in den einzelnen Funkzellen zum Stau. Wer nun wie schnell weiterfahren bzw. surfen darf, entscheiden der Anbieter und auch der Zufall, wie eine Untersuchung der Arbeiterkammer zeigt. 

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Bei Homeoffice und/oder Homeschooling setzen Haushalte in Corona-Zeiten auch vermehrt auf mobile Verbindungen. Eine starke Nachfrage kann jedoch - wie im Straßenverkehr - zu Staus in einzelnen Funkzellen führen. Die Folge: statt ultra-superschnell stockt oder ruckelt es. Bei derartigen Engpässen entscheiden die Mobilfunkanbieter, wie sie die Bandbreiten auf ihre Nutzer verteilen. Um Staus möglichst zu vermeiden, regeln sie, wer in der Funkzelle mit welchem (verringerten) Tempo Vorfahrt hat.

Die gesamte Bandbreite wird dabei jedoch nicht gleichmäßig unter allen Kunden aufgeteilt: Grundsätzlich kämen Kunden mit höheren Bandbreitenversprechen und höheren Grundentgelten in eine bessere Nutzungsklasse. Innerhalb dieser würden sie dann proportional gekürzt, so die AK am Donnerstag in einer Mitteilung.

Verschiedene Nutzerklassen
Dabei gehen die Anbieter ganz unterschiedlich vor. A1 unterteilt laut AK in zwölf Nutzer-Kategorien bis zum Verhältnis 1:33. Die letzte Kategorie wird 33-mal stärker gekürzt als die erste. Vor allem die Höhe des Grundentgelts und „Nutzungscharakteristiken“ entschieden, welcher Tarif in welcher Kategorie lande. Smartphonetarife mit bis zu rund 60 Euro monatlich und Wertkartenhandytarife finden sich demnach meist in der Nutzungsklasse 6 (von 12). Wer mehr monatlich zahlt, wird priorisiert. Ungünstig ist es für mobile Internettarife im stationären Gebrauch - sie haben mit den Klassen 7 bis 10 im Staufall Nachrang.

Magenta differenziert der Untersuchung nach zwischen Nutzern des 4G- und 5G-Netzes. Bei 4G gibt es elf Gruppen bis zum Verhältnis 1:20. Im 5G-Netz wird nur zwischen mobiler (Smartphonetarife) und stationärer (mobile Internettarife) Verwendungsgruppe im Verhältnis von 1:5 unterschieden. Wertkartentarife im 4G-Netz werden mobil wie stationär stark priorisiert. Drei hat der AK-Analyse zufolge zwei Nutzer-Klassen: mobil (Smartphonetarife) und stationär (mobiles Internet). Mobil-Nutzer werden um den Faktor zwei gegenüber jenen mit Festnetz-Ersatzprodukten bevorzugt. Stationäre Tarife dürften in der Regel weniger benachteiligt sein als bei den beiden anderen Anbietern.

„Anbieter haben es also in der Hand, wen sie wie sehr im Staufall bremsen“
Was das im Alltag bedeutet, erklärt die AK anhand eines Beispiels: „Kunde A mit 50 Mbit/s und B mit 30 Mbit/s erreichen in einer Zelle mit 100 Mbit/s maximal verfügbarer Bandbreite ihre Maximalgeschwindigkeit. Kommt Kunde C mit 30 Mbit/s noch dazu, greift der Anbieter ein: Kunde A surft etwa mit 50 Mbit weiter, B und C aber nur mit 28 bzw. 22 Mbit/s. Anbieter haben es also in der Hand, wen sie wie sehr im Staufall bremsen.“

Dazu AK-Expertin Daniela Zimmer: „Bei dichter Drängelei im Netz können die Bremsen zu spüren sein. Prognosen sind schwierig, denn neben der maximalen geschätzten Bandbreite und der Vorrangklasse kommt es auch auf den Zufall an, mit wem ich mir gerade die Funkzelle teile. Kurzum: Auch ein teurer Tarif mit hohem Bandbreitenversprechen kann stärker gebremst werden als ein günstiger Wertkartentarif.“

Konsumenten wüssten zwar oftmals über die maximale Bandbreite ihres Tarifs Bescheid, über ihre sogenannte Nutzungsklasse dagegen nicht. Die spiele aber bei Staus eine Rolle, so Zimmer. Sie rät daher: „Achten Sie vor Vertragsabschluss auf die Anbieterinfos, wie Ihr Anschluss bei Engpässen im Vergleich zu anderen Nutzern behandelt wird.“

Karte zeigt erzielbare Geschwindigkeiten
Ein weiterer Tipp der AK: Kostenpflichtige Optionen für mehr Bandbreite sollten gut überlegt werden. Selbst mit einer Bandbreite von 10-20 Mbit/s kann man - im Normalfall - flüssig über das Smartphone im Internet surfen. Ein sehr nützliches Tool ist in diesem Zusammenhang der online verfügbare RTR-Netztest (netztest.at/de/Karte). Hier werden nach Eingabe der Adresse die tatsächlich erzielbaren Geschwindigkeiten von Usern angezeigt, die den Test bereits an dieser oder umliegender Adresse durchgeführt haben. Die farblichen Darstellungen auf der Netztestkarte entsprachen den gemessenen Werten an dem Testort.

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